„The George Duke Band“ in der Rüsselsheimer „Jazzfabrik“, 7. Mai 2010


Foto: Klaus Mümpfer

Was er an diesem Abend beim Konzert der Rüsselsheimer „Jazzfabrik“ spielen wird, kündigt der Multi-Keyboarder und Sänger George Duke noch vor dem Opener „Homeland“ an: seine ganz eigenständige und virtuose Fusion von Jazz, Latin, (bad) Bop, Rock, Soul, Gospel, Funk und romantischen Balladen – auch wenn letzteres sich auf das akustische „Sweet Baby“ am Flügel als Abschluss des ersten Power-Sets beschränkt. Da tupft er verträumt Single-Notes, lässt die Notenketten aus den Tasten perlen, verziert sie mit Trillern und singt hingebungsvoll jenen Hit aus der Zeit mit Stanley Clarke. Auch „Homeland“ und „500 miles to go“ – 1998 mit Billy Cobham ein Glanzlicht in Montreux – werden zunächst sanft über leisen Soundflächen auf den Keyboards eingeleitet, bevor Duke urplötzlich mit wuchtigen Akkordgriffen gleichsam explodiert. Kurze Momente der Stille sind Bestandteil der Komposition und unterstreichen die Energie, mit der Duke die Keyboards funky grooven lässt, Bassist Michael Manson in einem ausgedehnten Solo auf seinem Bass die Saiten wie in Slaptechnik knallend reißt, Melodielinien führt oder Akkorde ostinat aneinanderreiht , der neue Drummer Gordon Campbell über einem durchlaufenden Puls ein vielschichtiges Rhythmusgeflecht trommelt und Jef Lee Johnson seine Gitarre in Glissandi heulen lässt.

In exzellenter Spiellaune, verschmitzt und mit einem Schuss Selbstironie, steht der gewichtige Stilist des Fusion auf der Bühne, ein Glas Rotwein in der Hand, und zieht das begeisterte Publikum so vollkommen in seinen Bann, dass die Zuhörer in den engen Reihen des Theaters sich klatschend rhythmisch bewegen oder gar zu tanzen versuchen. Partystimmung ist angesagt, als gegen Ende des gut zweistündigen Konzertes alle in ein lautstarkes „Oh, Oh“ einstimmen. So etwas mag George Duke, der mit einem tragbaren Roland-Keyboard am Rand der Bühne die Riffs reißt und singt.

Begleitet von den beiden Vokalisten Lamont Vanhook und Shannon Pearson und Stagemanager Andrew Papastephanou an einem zweiten Keyboard-Equipment durchquert „Big George“ in Medleys viele Jahre seines musikalischen Schaffens, lässt Hits wie „Everday Hero“, „A Fonk Trail“, „Somebody laid it on us“ oder das vibrierende „Brazilian Love Affair“ nicht aus. Die Klangfarbenfülle seines Spiel und die „verschwitzten“ treibenden Rhythmen bewahren stets Eleganz, die sich besonders in unerwarteten Wechseln des Metrums offenbart. Zwischendurch klingen Jahrmarktsmelodien an, wie beim Soundcheck die Musiker und Sänger mal in das Kinderlied „Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein“ abgleiten. Kurzeitig wird der Keyboarder mit sonoren Orgelklängen und SiFi-verfremdeter, rauer Stimme zum Rapper. Ruhigere Passagen sind in diesem Konzert rar. Doch trotz hoher Energie, bleibt die Musik voller Raffinessen, zwar nicht gerade filigran, aber dynamisch gut abgestuft. Auf den Punkt genau kommen die Wechsel und das Zusammenspiel in den Duos mit dem Bassisten Manson. In diesen Fällen scheint der Duke wie ein Junge glücklich zu lächeln.

Das Rüsselsheimer Konzert belegt, dass der 64-jährige stilprägende Keyboarder-Irrwisch, der unter anderem mit Miles Davis und Frank Zappa spielte, von sich zu Recht behauptet, dass er künstlerische Integrität bewahren und zugleich kommerziell erfolgreich sein kann.

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