Mercedes-Benz Museum: Wieder ein spezieller Dauner-Abend bei den Jazzopen

Wolfgang Dauner United - Photo: Kumpf
Text und Photos: Hans Kumpf 

Mercedes-Benz Museum:
Wieder ein spezieller Dauner-Abend bei den Jazzopen

Stuttgart.- Schon 2010 ließen die Jazzopen dem Pianisten Wolfgang Dauner einen ganzen Jazzabend angedeihen. Zum damals bevorstehenden 75-jährigen Geburtstag trat der Stuttgarter Lokalmatador rhythmisch betont mit vier Schlagzeugern unterschiedlicher Altersklassen (Alphonse Mouzon, Wolfgang Haffner, Obi Jenne und sein Filius Florian Dauner) an und musizierte ohne elektronischen Firlefanz herzhaft mit langbewährten Freunden (Geiger Jean-Luc Ponty, Trompeter Manfred Schoof, Saxophonist Klaus Doldinger, Bassgitarrist Wolfgang Schmid).

Wolfgang Dauner wurde am 30. Dezember 1935 geboren – und jetzt schon plant er samt seiner Frau Randi Bubat großartige Jubelkonzerte zur 80. Wiederkehr seines Wiegenfestes. Jedoch 17 Monate vor dem eigentlichen Termin feierte er erneut eine – auch meteorologisch – hitzige Performance im futuristischen Amphitheater des Cannstatter Daimler-Benz-Museums.

Nun allerdings stand die aktualisierte Erinnerung an sein legendäres „United Rock + Jazz Ensemble“ im Mittelpunkt. Liebe Kollegen wie Charlie Mariano, Albert Mangelsdorff, Volker Kriegel und Ian Carr sind inzwischen verstorben. Zusammen mit Sohn Florian, der ansonsten gerne bei den „Fantastischen Vier“ trommelt, inszeniert er nun die „Second Generation“ alias „United 2.0“ der sogenannten „Band der Bandleader“. Das Ehepaar Jon Hiseman (Schlagzeug) und Barbara Thompson (Saxophon) wirkte schon in den frühen 1970er Jahren bei der sonntagmorgendlichen TV-Serie „Elfeinhalb“ mit und sorgte dann beim kommerziell ziemlich erfolgreichen „UJ+RE“ engagiert für das Rock-Element.

Barbara Thompson - Foto: Kumpf

Als 2004 im Stuttgarter Theaterhaus dezente kammermusikalische Kompositionen von Barbara Thompson uraufgeführt wurden, war die Engländerin wackelig auf den Beinen von schwerer Parkinson-Krankheit gezeichnet. Doch – welch medizinisches Wunder! – geraume Zeit später konnte sie wieder fast so vehement ins Horn stoßen wie zuvor. Jetzt sieht die 70-Jährige sehr ausgemergelt aus und hat Schwierigkeiten mit dem aufrechten Gang. Alle Energie und Lebenswillen steckt sie nun in ihr Spiel, wenn sie auf dem Alt- und Sopransaxophon intensiv improvisiert. Kompositorisch vereinnahmt sie gerne Klänge aus der arabischen und asiatischen Welt, während Ehemann Jon aus seinem riesenhaften Drumset vielerlei Klangfarben zaubert, ohne sich bei einem überlangen Solo anzubiedern.

Titel wie „Ganz schön heiß man“, „Ausgeschlafen“ und „Circus Gambet“ gehören zum beliebten Repertoire der Gruppierung, wobei die Neulinge sich in ihren Solobeiträgen nicht an ihren Vorgängern orientieren, sondern ihre eigene individuelle Note einbringen. Bobby Stern und Klaus Graf (der bei den diesjährigen Jazzopen bei drei verschiedenen Formationen mitmischte) sind mittlerweile die regulären Saxophonisten, und neben dem Posaunisten Adrian Mears stehen als weitere Blechbläser die Trompeter Claus Stötter, Tobias Weidinger und Stephan Zimmermann.

Wolfgang Dauner, Florian Dauner - Foto: Kumpf

Nostalgische Freude also bei der Neuauflage des guten alten United Jazz + Rock Ensembles, Zeitgeistiges beim familiären Duo Dauner – Vater und Sohn. Vor vier Jahrzehnten führte Wolfgang Dauner den Synthesizer in die deutsche Jazzszene ein, alsdann besann er sich wieder ganz traditionell auf das Flügel-Spiel. Nunmehr agiert er im Bunde mit „Flo“ (Jahrgang 1971) wieder elektronisch – auf der Höhe der Zeit mit einem „MacBook Pro“. Im Studio kann man sich dem Technikkram in aller Ruhe widmen, doch beim hastigen Aufbau zu einem Festival-Auftritt kann manches schief gehen. Nachdem Dauner + Dauner zu Beginn einträchtig kommuniziert hatten, passierte es. Vorzeitiger Abbruch. Wolfgang Dauner im Wortlaut: „Das Band ist aus. Wir haben Probleme mit der Elektronik. Wir können alles machen – aber das dauert halt!“

Von ihrer aktuellen vielgelobten CD präsentierten die Dauners „2012+1“,  „Elf Notizen“, „Raga Yagapriya“, „Who Let The Dog Out…?“ und „Mr. Minky“.

Im Vergleich zu vier Jahren zuvor war jetzt die Bad Cannstatter Open-Air-Bühne bei Dauner nicht ausverkauft – die Jazzopen machten sich an diesem Sommerabend auf dem Schlossplatz mit Van Morrison selbst Konkurrenz, abgesehen von Organist Brian Auger im BIX.

Als Vorgruppen zu „Dauners Salon“ traten mehr oder weniger jazzmäßig die Stuttgarter „Steve Cathedral Group“ (Steffen Münster, Gitarre, Felix Meyerle, Piano, Francois Saorine, Bass, Holger Bihr, Schlagzeug) sowie die britische Sängerin Julia Biel auf.