„Mein Text – my song“ „Treffpunkt Jazz“ der Mainzer Musikhochschule, 22. September 2013

Foto und Text: Klaus Mümpfer

„Pick yourself up“ ist ein Song, den Jerome Kern 1936 für den Film „Swing Time“ komponierte. Fred Astaire gibt in diesem Streifen vor, zwei linke Füße zu haben, um die Fürsorge der Tanzlehrerin Ginger Rogers zu erringen. „Lass´ Dich nicht entmutigen“ interpretierte der Sänger Alexander Traxel den Sinn der Film-Aussage und übertrug ihn auf Don Quijote und seinen erfolglosen Kampf gegen die Windmühlen. Ausdrucksstark und dem Charakter des traurigen Helden angepasst, las er aus dem Roman von Miguel Cervantes, bevor der Musikstudent in Anlehnung an die amerikanische Sangeslegende Mel Tormé mit reifer Stimme eine schmissige Fassung des Film-Hits interpretierte. Traxel scattete in klassischer Jazzphrasierung, swingend und mit einem kleinen Ausflug zu Johann Sebastian Bach. Lukas Ruschitzka unterstrich die Vokalkünste in der Begleitung anpassungsfähig mit einem Piano-Solo. Schon diese hörspielreife Text- und Gesangsdarbietung lohnte den Besuch des Konzertes „Mein Text – mein Song“ in der Reihe Treffpunkt Jazz im Mainzer Frankfurter Hof.
Das Konzert stand ganz im Zeichen zweier vokaler Künste: Des Sprechens und des Singens. Alexander Gelhausen hatte den Studierenden aus der Jazzabteilung der Hochschule für Musik die Aufgabe gestellt, jeweils einem Song, der ihnen viel bedeutete, einen literarischen Text gegenüber zu stellen, der aber einen inhaltlichen Bezug haben sollte. Diese spannende Kombination aus Rezitation und Gesang belegte, welch künstlerische Reife die Studenten in ihrer Hochschulausbildung erworben haben.

Alexandra Pugh las temperamentvoll aus dem Roman „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Sie komponierte dazu den Song „Passt nicht“, den sie kraftvoll und klar mit wachsendem Tempo und einer Steigerung bis zur ekstatischen Intensität vortrug. Sarah Inanc analysierte in ihrem Textbeitrag ironisch den Nike-Reklamespruch „Dann mach halt mal einfach“ und übertrug ihn in ihren Song „Just do it“ – einer funky treibenden Jazz-Version mit Blues-Touch.
Kai Werth nahm sich des Gedichtes „Es ist besser so“ von Joachim Ringelnatz an. Er stellte es in Bezug zu seinem routiniert und mitreißend interpretierten Song „So isses“, bei dem er sich selbst auf dem Flügel begleitete. Einfühlsam las Tanja Neu aus Mitch Alboms Roman „Five people you meet in heaven“, um dann das Thema in dem Song “The nearness of you” aufzugreifen – eine Jazz-Ballade, die sie mit warmem Timbre und beseelt vortrug.

Zur Konzerteröffnung unterstützten Gitarrist Jens Mackenthem, Bassist Jan Nicolai Schmidt, Schlagzeuger Mathis Grossman und die Saxophonistin Kerstin Haberecht die Sängerin Pugh. Die restlichen Künstler begleitete ein Trio mit dem Pianisten Lukas Ruschitzka, dem Bassisten Bastian Weinig und dem Schlagzeuger Chris Hoffmann. 
Zum Abschluss des Konzertes griff Professor Sebastian Sternal, der Initiator der Reihe „Treffpunkt Jazz“, in die Tasten, um seinem Kollegen Alexander Gelhausen, nach dessen Lesung des Gedichtes „Rom, ewige Stadt“ von Marie Luise Kaschnitz bei „When in Rome, do as the Romans do“ ein virtuoser und kongenialer Partner zu sein.
Der Erlös des Benefizkonzertes fließt auf Anregung von Georg Sternal der „Pfarrer Röper Stiftung“ zu, die vor allem junge Menschen mit gebrochener Biografie und schwieriger Sozialisation betreut. 

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