Liebhaber des Halls: Flötist Paul Horn verstarb 84-jährig

Paul Horn - Foto: Hans Kkumpf

Drei inzwischen verstorbene amerikanische Jazz-Bläser hatten sich zu bedeutsamen musikalischen Weltbürgern entwickelt: Tony Scott, Charlie Mariano – und Paul Horn. Die ganz persönliche Note des 1930 geborenen Horn bestand darin, dass er es schön „verhallt“ und mit natürlichem Echo liebte.

Bestens eignen sich dabei Grabesgrüfte. Seine im indischen Taj Mahall und in ägyptischen Pyramiden bewerkstelligten Aufnahmen gehören zu den unnachahmlichen Kostbarkeiten auf dem internationalen Plattenmarkt. Als der Flötist und Saxophonist 1983 eine Tour durch die Sowjetunion unternahm und in nüchternen Konzertsälen und Sporthallen auftrat, gelüstete es ihn auch, in der Basilius-Kathedrale am Moskauer Roten Platz seine Flöten und ein Tonbandgerät auszupacken. Die gestrenge russische Bürokratie ließ dies jedoch nicht zu, jedoch fand er zu mitternächtlicher Stunde Einlass in eine Kirche der litauischen Stadt Vilnius.

In normalen Konzertsälen wurde Paul Horns Markenzeichen, der Nachhall, mit elektronischen Hilfsmitteln erzielt. Gewahrt blieb die ruhige, meditative Atmosphäre. Ein introvertiertes Musizieren in modaler Manier – Einstimmungsmusik ohne effekthaschende Virtuosität. Selbst der von Vicky Leandros verschlagerte Folksong „Amazing Grace“ konnte durch die schlichte und reizvolle Ausgestaltung bestechen.

Nicht minder einfühlsam agierte sein langjähriger Partner David Friesen am korpuslosen Kontrabass. Doppelgriffe, Bogenspiel und gezupfte Orgelpunkte dienten als zentraltönisches  Fundament oder als dialogisierender Kontrapunkt. Mitunter wurden auch Jazz-Standards einbezogen, aber den nachhaltigsten Eindruck hinterließ ein von China inspiriertes Stück. 1980

nämlich war Horn in der Volksrepublik aktiv und „jamte“ in Peking mit dortigen Kollegen. Auf der chinesischen Tempelflöte blies er gerne ein Duo mit David Friesen, der auf dem – japanischen – Bambusinstrument Shakuhachi gleichfalls mikrotonal spielte.

,,Musik ist eine internationale Sprache“, erklärte der Kosmopolit Paul Horn seinen aufmerksam lauschenden Zuhörern. Am 29. Juni verstarb Paul Horn in seiner kanadischen Heimat 84-jährig.

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