Konzert mit dem Wormser Jazzpreisträger Gary Fuhrmann und seinem Quintett, 24. Oktober 2009

„Hang Fire“ ist ein percussives Stück. Die Bläsersätze attackieren mit schneidenden Riffs teils unisono, teils zweistimmig. Der Bass marschiert straight, exponiert sich aber auch mit harmonisch reizvollen Linien. Das Tenorsaxophon von Gary Fuhrmann und das Flügelhorn von Martin Auer umspielen einander, parlierend im Zwiegespräch. Dann rundet das Trio ein swingendes Piano-Solo ab. Florian Gerster, Stifter des mit 5000 Euro dotierten Wormser Jazzpreises sprach zu Beginn des Preisträgerkonzertes in seiner Laudatio auf Gary Fuhrmann von einer „Faszination des ersten Tones“, die den Zuhörer in ihren Bann ziehe und ihn nicht mehr loslasse. So sei es ihm auch beim Anhören der Musik des Gary Fuhrmann Quintetts gegangen.

Der Wormser Saxophonist und Klarinettist, dem die Jury in diesem Jahr den Jazzpreis mit klarer Mehrheit zugesprochen hatte, experimentiert neuerdings in einem Trio mit DJ und Schlagzeuger auch mit elektronischen Verfremdungen, blieb in seinem Konzert aber den Bebop-Wurzeln treu, die er spielerisch mit Klangfarben vor allem in den Duos der Bläser zeitgemäß personalisierte. Die Ballade „Heimat“ lebt von solchen Sounds auf der gestopften Trompete, in der Martin Auer gehaucht und leicht aufgeraut Atemgeräusche wirken lässt. Dazu bringt Drummer René Marx die Becken zum Schwingen, schiebt Pianist Jean-Yves Jung sparsam Akkorde ein. Ein Charakteristikum der Fuhrmann-Kompositionen sind Überraschungen, wie der in dieser Ballade plötzliche Dynamiksprung zu einem kraftvollen Zwischenspiel, in dem der Trompeter Melodiefragmente ostinat einsetzt, Bassist Matthias Nowak Harmonievariationen auf dem Kontrabass streicht und der Pianist perlende Single-Note-Trauben greift. Hymnik geht in leichte Melancholie über, bevor das Quintett „Heimat“ sanft und schwebend verklingen lässt. 

Swingend und funky groovt „Scon Song“ mit einem ekstatisch treibenden Duo der Bläser in auf- und abschwellenden Unisono-Passagen. Stakkatoläufe von Trompete und Saxophon leiten in „So far“ zu einem getragenen Solo auf dem Tenorsaxophon über, münden später in Bebop-Riffs und enden mit einem hymnischen Ausklang. In einem anderen Stück kann Nowak in einem Bass-Solo seine Linien mit harmonisch raffinierten Wendungen verzieren, bläst Fuhrmann auf dem Saxophon einen „singenden“ Lauf. Eine der lyrischen und verspielten Kompositionen ist „l`ocean“ mit sanfter Melodie vor den Ostinati auf dem Piano. In der Zugabe zauberte Pianist Jung auf den Klaviertasten Monk´sche Sperrigkeit, verabschiedeten sich Fuhrmann, der mit trockenem Humor das Konzert moderierte, und Auer mit Soli Klarinette und Trompete.  

Der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel, der an diesem Abend gemeinsam mit Gerster den Jazzpreis überreichte, zeigte sich stolz, dass erstmals ein Wormser Musiker die renommierte Auszeichnung erhalte. Dass die Ehrung „etwas bewirkt“, daran erinnerte Volker Wengert von der Initiative „BlueNite“ ( die die Organisation übernommen hatte). So habe die Pianistin Anke Helfrich inzwischen internationale Anerkennung gefunden, hätten der Saxophonist Steffen Weber und der Posaunist Christof Thewes erfolgreiche Projekte realisiert.

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