Klangraum-Jazztage mit sechs Formationen in der Showbühne Mainz; 23. Und 24. Januar 2015

Agnes Lepp, Julian Fau, Rebecca Trescher  - Photo: Klaus Muempfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer 

Die Nürnberger Klarinettistin und Komponistin Rebecca Trescher, Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg 2014, ist zweifelsohne eine Entdeckung des Festivals „Mainzer Jazztage“. Beim achten Treffen der Initiatoren des Klangraum-Studios stellt die Musikerin ihr „Ensemble 11“ vor, eine kleine Big Band von bewundernswerter Präzision und faszinierender Klangsprache. Flächige Soundteppiche und Bebop-Soli, besonders von Alt- und Tenorsaxophon, fließen nahtlos ineinander. Treschers Eigenkompositionen sind Assoziationsmusik, spiegeln ihre Titel wie „Spider“ oder „Die Hexe und ihr Knecht“ wider. Mit melodiösem Harfen- und sonorem Cello-Spiel, der Bassklarinette, den erregenden Läufen auf Piano und Vibraphon sowie der instrumental geführten Stimme der Sängerin entstehen unter der strengen Führung der Dirigentin weitgehend notierte kammermusikalische und dennoch groovende Stücke, die das Publikum in der an beiden Abenden ausverkauften Mainzer Showbühne zu minutenlangen Ovationen hinreißen.

Gleiches gilt für die fünf anderen Ensembles dieses Festivals, das für  die gute Band-Wahl der Veranstalter Matthias Krüger, Bernhard Hering und Martin Wester spricht. Das musikalische Spektrum ist weit gefasst. Wie bei einem guten Menu, das abschließend beim Brunch das Finther Atrium-Hotel reicht, wird das Publikum durch die Mischung aus zeitgenössischem modernem bis freiem und zeitlos traditionellem Jazz bestens unterhalten. Auf der einen Seite stehen das Quartett „Klangraum Live“ mit Krüger am Bass, Hering am Vibraphon, dem Schlagzeuger Wolfgang Stamm sowie dem elektronisch trickreichen und kreativen Gitarristen Tilmann Höhn mit atmosphärischen Filmmusik-Kompositionen, den schwebenden Klangfarbenspielen, fernöstlichen Einsprengseln und pulsierenden Grooves. Diese Mixtur nimmt auch das Quintett um den Hammond-Orgel-Spezialisten Jo Bartmes mit der ausdrucksstarken Sängerin Fola Dada auf. Die Stücke leben vor allem von dem Kontrast der weiten Harmoniebögen des Bassklarinettisten Frank Spaniol und dem treibenden Rhythmusgeflecht der beiden Schlagzeuger.

Den anderen Pol des Festivals markiert der Pianist Thilo Wagner mit seinem „Bassface Swing Trio“ in klassischer Besetzung und einem Jazz in der Tradition von Erroll Garner oder up-tempo von Ahmad Jamal. An diesem Abend wird er unterstützt von dem Nauheimer Schlagzeuger Florian Hermann und von seinem langjährigen Bassisten Jean-Philippe Wadle auf dem mit Darmsaiten bespannten und deshalb besonders voluminös klingenden Instrument. Wagner selbst ist ein inspirierter, swingender Virtuose auf den Tasten. Ebenfalls im Mainstream, aber mit mehr Ecken und Kanten ist der Bassist Axel Kühn mit seinem Trio zuhause. Er verbindet balladeske Jazzkompositionen mit Pop-Grooves, Weltmusik-Anklänge mit modernen Jazzphrasen.

Ganz große Kleinkunst präsentiert das Duo „FrauContraBass“ mit der Sängerin Katharina Debus und dem Bassisten Hanns Höhn. In akrobatischer Stimmführung mit Scats und Vokalisen sowie sensibel oder zart bis frech-ironisch interpretierten Songs aus dem Jazz und Pop über das ewige Thema Liebe verbindet das Duo Stimme mit percussivem sowie nahezu minimalistischem Spiel auf Saiten und Korpus des Kontrabasses.

Das Festival und seine musikalische Ausrichtung verraten, dass die  Veranstalter gestandene Jazzmusiker sind, die bei der Auswahl der Formationen ihrem Geschmack und nicht kommerziellen Interessen folgen. Matthias Krüger verabschiedet das begeisterte Publikum mit dem Versprechen auf Fortsetzung der Mainzer Jazztage.