Das Trio Jünemann / Eckert / Scheer in Mainz 18. Juni 2008

Es ist erstaunlich, was eine Sängerin mit zwei Worten alles anfangen kann. „All Blues“ von Miles Davis ist eine Komposition, die mit minimalen Vorgaben der Improvisation viel Raum lässt. Das Trio mit dem Saxophonisten Ulli Jünemann, dem Gitarristen Christian Eckert und der Sängerin Kathrin Scheer kostet diese Freiheit aus. Jünemann bläst auf dem Saxophon singbare Linien, die Eckert mit einer hellen Klangfläche der mit einem Induktionstonabnehmer verfremdeten Gitarre unterlegt.

Der Rhythmus kommt von einem der Laptops, die die beiden Musiker mit Eigenproduktionen gefüttert haben. Ein wenig verrucht, aber keineswegs rau sowie später mit Elektronik manipuliert bei der Begleitung des Saxophons, spielt die Sängerin mit den in „All Blues“ mit Worten nicht minder virtuos als im anschließenden „Stella by Starlight“ von Victor Young. In der Regel werden die Gitarrensoli Eckerts dezent mit elektronischen Sounds ergänzt, weniger verfremdet. Vorherrschend sind Akkord-Reihungen an Stelle von Singlenote-Läufen – ganz in der Tradition eines Jim Hall, der mit konzentriert lyrischem Spiel einen natürlich wirkenden elektrischen Sound pflegte.

Jünemann und Eckert erzeugen so Klänge und Rhythmen mit Swing und Lounge Stimmungoder reichern ruhige Balladen an, die von der hellen und klaren Stimme Kathrin Scheers abgerundet werden. Die ausdrucksstarken Interpretationen der Sängerin wecken zumeist Assoziationen an Bossa Novas und Sambas, bei „You don´t know, was love is“ eher an Jazz-Ladies wie Dinah Washington oder Billie Holiday.

Ulli Jünemann nutzt die Elektronik äußerst sparsam und fast konventionell, um mit sich selbst im Duett zu spielen oder mit Hall und Echo den Sound des Saxophons raumfüllend aufzublasen. Nur hin und wieder nutzt er den Computer zum Scratchen. Die Songs der Sängerin umspielt Jünemann mit dem Saxophon, schmiegt sich girlandengleich verzierend an die Stimme, während die Gitarre flächige Sounds unterlegt. Das alles ist ungemein relaxed und lebt von eher unterschwelligen feinnervigen Spannungen. Manchmal glaubt der Zuhörer Harmonika-Klänge zu vernehmen, ein anderes Mal erhält der Rhythmus einen Hip-Hop-Touch.

Weit schwingende Spannungsbögen bauen die Musiker und die Sängerin mit Ostinati und Intensitätssteigerungen. Besonders reizvoll ist bei diesem spärlich besuchten Konzert in der Showbühne die Bearbeitung einer Geschichte von „Knopf und Zwiebel“ aus dem „Sapporo meets Janosch“-Projekt Eckerts, das auch auf einem empfehlenswerten kleinen Büchlein mit CD vorliegt.

Kathrin Scheer pendelt zwischen Sprechgesang und Vokalisen, die Gitarren steuert helle Klangfarbenspiele bei und das Saxophon schwebende Echos – wie überhaupt samtiger und lyrischer Sound das Konzert prägte. Wenn Lyriker am Werk sind, ändern auch elektronische Spielereien nichts an der Grundstimmung..