Das „Lisbeth Quartett“ jazzte in der Hospitalkirche


Alle Photos auf dieser Seite: Hans Kumpf 

Jazzclub und Kulturamt luden gemeinsam zu einem gut besuchtenKonzert in die Hospitalkirche ein. Unter der neuen „Jazztime“-Reihe „U30“ stellten sich mit dem „Lisbeth Quartett“ profihafte Newcomer vor.

Schwäbisch Hall. Beim „Paula DezzQuartet“ steckt keine Paula dahinter, sondern die Saxophonistin Ilona Haberkamp aus Nordrhein-Westfalen. Und beim Berliner „Lisbeth Quartett“ ist auch keine Elisabeth im Spiel. Vielmehr handelt es sich um die junge Gruppe um Charlotte Greve. Beide Jazz-Damen huldigen mehr oder weniger explizit Paul Desmond, dem unvergessenen Altsaxophonisten von Dave Brubeck. Desmonds einmaliges Markenzeichen: Ein klassisch-kultivierter Sound voller Leichtigkeit und Beseeltheit. Freilich, eine Cover-Version von „Take Five“ gab es in der Hospitalkirche jetzt nicht zu hören. Statt modern Swingendes im Fünfvierteltakt präsentierte die Formation der 24jährige Hauptakteurin ausschließlich Eigenkompositionen.

Einschmeichelnd und schön harmonisch kamen die meist im langsamen Zeitmaß gehaltenen Themen daher, doch bei den hauptsächlichen Improvisationen brodelte es innerlich ungemein. Ein engmaschiges Beziehungsgeflecht zwischen Saxophon, Piano, Kontrabass und Schlagzeug mit dem Aufnehmen, Imitieren und Umspielen von Motivfloskeln und rhythmischen Strukturen wurde gepflegt. Immer wieder tauchten fugative Momente und kontrapunktische Aktionen auf. Stets hellwaches Interagieren und eine konzentrierte Kommunikation führten zu einem kurzweiligen Konzertabend.

Besondere Faszination beim Publikum löste der Schlagzeuger Moritz Baumgärtner aus – nicht (nur), weil er Haller Wurzeln hat. 2002 siegte er mit der Lörracher Band „Jazz Attack“ beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ und war anschließend noch auf Bundesebene erfolgreich. In Berlin studierte Moritz Baumgärtner bei John Hollenbeck, und nun traktiert er sein mit vielen kleinen metallischen Perkussionsinstrumenten erweitertes Drumsethöchst differenziert. 

In Klassik und Jazz wurde gleichfalls Charlotte Greve mehrfach ausgezeichnet. So vermag sie ihrem Altsax Töne von keuscher Reinheit zu entlocken, aber zuweilen derb Harmonics und Multiphonics zu blasen. Eine bemerkenswerte musikalische Ausgereiftheit ist gleichermaßen bei dem Pianisten Manuel Schmiedel zu konstatieren. Da greift er mal energisch in die Tasten, um dann postwendend Hymnisches wie Oscar Peterson oder „Mozärtliches“ von sich zu geben. Eine klangliche Erweiterung bewirkt Schmiedel, wenn er eine Melodica einsetzt und kurzfristig als zweiter Bläser fungiert.

Längst nicht mehr „unter 30“ ist der Bassist des Quartetts. „Oldie“ Marc Muellbauer wurde 1968 in London geboren und hat sich bestens in die Konzeption der Youngsters integriert. Auch er trägt seinen guten Teil zum filigranen Gesamtbild des Ensembles bei.

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