Will Bernard Trio in Nieder-Olm, 27. März 2014

Charette / Hobzeck / Bernard - Foto: Mümpfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer

Bei seinem Spiel werden Erinnerungen an den Hardbopper Kenny Burell , aber auch an den Melodiker Wes Montgomery wach. Doch der aus der Bay-Area von San Francisco stammende und heute in New York lebende Gitarrist Will Bernard hat inzwischen seinen eigenen Stil gefunden. Und der schließt beim Konzert im Nieder.Olmer „Gleis 3“ heftig swingenden und groovenden, funky sowie hin wieder coolen Jazz oder percussiven Rock und Soul mit ein. Für Sound vieler Kompositionen wie „Route 46“ ist dabei der virtuose Tastenmeister Brian Charette an dem von Hammond gebauten Keyboard zuständig. Seine flinkfingrigen Orgelausflüge, so legt es die Komposition „8 Counts“ nahe, sind von der Legende Jimmie Smith inspiriert.

Faszinierend wie in seiner Wes Montgomery gewidmeten Komposition „Go West“ oder dem eher ruhigen und melodischen Stück „PM Gone“ sind die raffinierten Gitarrenläufe Bernards sowie die Triller und Notentrauben. Einprägsame Highlights bleiben außerdem die Akkorde, die er aus den Saiten „reißt“.

Vielschichtig und polyrhythmisch komplex sind  nicht nur die Breaks sondern auch die längeren Ausflüge des Schlagzeugers Tomas Hobzek. Er trommelt seine Soli zu spannungssteigernden, ostinaten Akkordfolgen der Hammond. Die Einwürfe sind dann oft sehr kurz und die Motive der Charette-Improvisationen können sehr minimal und Trance fördernd sein.  „Ich spiele Jazz, aber ich würde sagen, ich bin eher ein Rocker in meinem Ansatz. Die Art, in ich spiele, ist sehr kantig und aggressiv“, sagt Brian. Im Trio sorgt er gemeinsam mit dem Schlagzeuger oftmals für den Drive in den zumeist energetischen Up-Tempo-Stücken.

In diese Interaktionen bringt sich immer wieder Will Bernard mit seinen selbst in der vollen Kraft filigranen sowie intelligenten Linien ein und hält das Spiel des Trios zusammen. Dabei legt Charette oft einen flächigen Klangteppich unter die raffinierten Saitenläufe. Da wundert es nicht, dass der Musiker und Komponist als einer der noch immer unterschätztesten und zugleich interessantesten Gitarristen in der Nachfolge von Bill Frisell und John Scofield genannt wird. Immerhin wurde er bereits 2008 für einen Grammy nominiert und konnte John Medeski vom Trio Medeski, Martin& Wood für seine Projekte gewinnen. Bei seinem Konzert in Nieder-Olm belegte er die dafür notwendige Qualität mit groovendem Trio-Spiel, das in „funky organ“ und reißenden Swing auch einige  Balladen integrierte.

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