Trio „Sapporo 3“ in der Mainzer Christuskirche 5. Juni 2011

Fotos und Text: Klaus Mümpfer

Ein meditativer Sound schwebt bereits vor dem eigentlichen Konzert durch den weiten Raum des Gotteshauses. Für den Soundtüftler und Gitarrist Christian Eckert sowie den Saxophonisten Ulli Jünemann ist die Elektronik auch beim späteren Konzert nur die Erweiterung und Fortsetzung des Naturklanges. Wohl deshalb fügt sich die teilweise instrumental geführte Stimme der Vokalistin Eva Mayerhofer so nahtlos in das Spiel und in die Interaktionen von „Sapporo 3“ ein. 


Jazzmusik und Kirchenraum treten in einen Dialog ein, sagt die Dekanatskirchenmusikerin Barbara Pfalzgraff und behält recht. Fasziniert lauschen die Zuhörer in der Mainzer Christuskirche, wie die Raumakustik des Gotteshauses den Klang des Altsaxophons trägt, ihm in den cantablen Läufen zu sakralem, fast hymnischem Charakter verhilft.
In diesen singenden Linien vermischen sich die Klangfarben des Altsaxophons mit der instrumental eingesetzte Stimme der Sängerin im Dialog und auf dem Soundteppich der Gitarre und ihrem elektronischen Gewebe. Die Stücke behalten ihren meditativen Grundcharakter, auch wenn elektronische Beats das filigrane Soundgewebe immer wieder aufbrechen. Das Trio schafft einen intimen Gruppenklang. Durch die Architektur der Kirche verläuft sich der Hall nicht, sondern unterstreicht den kammermusikalischen Charakter der freien Improvisationen. Diese Besonderheit hat der Sakralbau bereits bei früheren Konzerten der Reihe „Jazz in der Christuskirche“ unter Beweis gestellt.


Duke Ellington komponierte sein „In a sentimental mood“ 1935 für eine morbide Gefühlswelt voller Sehnsüchte. Eva Mayerhofer interpretiert den Song ebenso wie den Walter-Gross-Hit „Tenderly“ mit schwebender Leichtigkeit und Sinnlichkeit in ganz eigenständiger Phrasierung. In Artikulation und Intonation sowie reizvoller rhythmischer Variation verhilft die Sängerin auch dem Elvis-Presley-Song „Love me tender“ zu neuer Expression. Dabei kostet die Vokalistin die stimmlichen Möglichkeiten vom Sprechgesang in „Knopf & Zwiebel“ bis zu Gurren, Geräuschen, Zwitschern und Pfeifen aus. Sie scattet klassisch sowie free in Vokalisen.


Versunken beugt sich Eckert über die Elektronik, schiebt Regler am Laptop oder streicht übers Pad, während er aus den Saiten filigrane Linien zupft. Bei solchen Improvisationen tritt er in den Dialog mit Jünemann, der das Altsaxophon in singenden Läufen schwelgen lässt, aber auch leicht überblasene, mehrstimmige Stakkati bläst. Hin und wieder greift er zur Querflöte, um den Gesang sensibel zu verzieren, wie die Sängerin der Melodica sanfte und schwebende Melodien entlockt. In „Knopf & Zwiebel“ ist vom Märchenland und Traumstadt-Spiel die Rede. Die Worte treffen auch auf die Musik von „Sapporo 3“ zu.

www.christianeckert.com