Trio Erskine – Le – Benita in Mainz, 9. Oktober 2007

Nguyen Le´s Komposition „Bird Song“ mit der bedächtigen Single-Note-Einleitung, der sanften Besenarbeit und der Rassel Peter Erskindes und der erdigen, aber melodiösen Kontrabass-Linie Michel Benitas ist charakteristisch für den Abend des Trios „E_L_B“ im Frankfurter Hof. Zwar gewinnt das filigrane und mit leichtem Vibrato angereicherte Gitarrenspiel mit der Zeit an Kraft und Tempo, wird mit Loops und Echos zu schwebenden Soundflächen verfremdet, die der Bassist mit Harmonievariationen unterlegt, doch der Gesamteindruck bleibt der eines eher sanften Jazz auf höchstem Niveau. Das einleitende „Zig Zag“ von Le und Erskines „Autumn Rose“ belegen diese Feststellung, wobei kraftvolle Powerstücke wie Le´s „Jive Five“ mit rockig-knallenden Gitarren-Slaps und dem groovenden Fünf-Viertel-Metrum auf dem Schlagzeug die Ausnahme sind.

Den in Paris lebenden Gitarristen aus Vietnam kennt der Jazzfreund vor allem als Musiker, wie er sich im „Kokopanitsu“ und Jive Five“ zeigt. In diesem Trio, das der gereifte Peter Erskine – einst ein Innovator mit Maschinengewehr-Power (so der Trompeter Maynard Ferguson) bei der berühmten „Weather Report“ – mit seinem ökonomischen Trommelspiel sowie der Filigranarbeit mit Besen und Klöppeln auf den Fellen bestimmt, integriert sich Le perfekt. In manchen Passagen nähert er sich Bill Frisell, in anderen Terje Rypdal oder John Scofield, aber bei all dieser Nähe und Zitierfreude verfügt der Gitarrist über improvisatorische Eingeständigkeit sowie einen originären, von fernöstlicher Kultur beeinflussten Ton, den er mit der Elektronik verstärkt.

 Da sind diese ungewöhnlichen melodischen Wendungen und weiten Intervalle, die filigranen Soli und Ethno-Sounds, die so sensibel vom Bassisten begleitet werden. In seinen solistischen Ausflügen überrascht Benita, der ansonsten das gradlinig marschierende Spiel pflegt, dann mit harmonisch reizvollen sowie verzierten Wendungen. Nur optisch im Hintergrund der in intim rotgefärbtes Licht getauchten Bühne trommelt Erskine mit rasanter Fußarbeit und einem polyrhythmischen Überbau auf den kleinen Trommel und Snares ein langes Solo, in dem er beweist, dass Schlagzeugkunst nicht mit Lautstärke einhergehen muss.

Bei seiner Komposition „Song for Jaco“, die er seinem früh verstorbenen Freund und Bassisten Jaco Pastorius gewidmet hat, lächelt Erskine geradezu gütig, während er mit den Besen sanft die Becken schlägt. Eine grundierte Bass-Linie bildet das flexible Rückrat und die sanften Notenketten der Gitarre verarbeiten das Thema. Hier, wie in fast allen Stücken dieses Konzertes, fasziniert das Trio mit seinem Spiel aus einem Guss, mit sensiblen Zwiegesprächen zwischen Bass und Gitarre wie am Ende von „Jive Five“ sowie mit verschweißten Kollektiven, in denen es hin und wieder sogar schwer fällt, Soli genau zu benennen.