Trilok Gurtus Hommage an Don Cherry

Gurtus Auftritte zeichnet aus, dass er sein vielfältiges Percussionsinstrumentarium und Schlagzeug um sich versammelt und beides gleichzeitig spielt. Es sind Tablas, Conga und Djembe, Dhol-Trommel, Gongs und Glocken sowie Rasseln und Holzplättchen, außerdem meistens ein Eimer mit Waser, in den er hallende Klangkörper hält, um so Effekte zu erzielen. Das ist auch beim Konzert seines Quartetts im Frankfurter Hof nicht anders und dennoch zeigt seine Hommage an den unvergleichlichen Trompeter Don Cherry, dass der Jazz neben der indischen Tradition noch immer eine der beiden Grundlagen seiner Musik ist.

Der 37-jährige Trompeter Frederik Köster prägt mit seinem Instrument und der Elektronik den Sound, über dem Vorwärtsdrive des rhythmischen Geflechts, das Trilok Gurtu fingerfertig und rasant auf seinem Percussions-Instrumentarium webt. Dazu zupft der Deutsch-Spanier Jonathan Ihlenfeld Cuniado den E-Bass und legt Jesse Milliner von der Mainzer Musikhochschule auf dem Keyboard-Synthesizer einen Klangteppich oder spielt auf dem Flügel schnelle Akkordläufe sowie rollende Bässe.

Mit seinem neuen Programm, das auch auf der CD „Spellbound“ dokumentiert ist, stellt Gurtu die Trompete in den Mittelpunkt des mitreißenden musikalischen Erlebnisses. In erster Linie erinnert der 1951 im damaligen Bombay geborene und in Hamburg lebende Inder an Don Cherry, der ihn in den frühen 70er Jahren ermutigte, seine Vision der intuitiven Verbindung von indischer Folk-Klassik und Jazz zu verwirklichen. Neben der Neufassung von Cherrys „Universal Mother“ widmet Gurtu sich in Arrangements Miles Davis mit „All Blues“ oder Dizzy Gillespie mit dem treibenden und groovenden „Manteca“.

Köster steigt mit seinem Instrument scheinbar mühelos in die gleißenden High-Note-Lagen, lässt die gestopfte Trompete sanft klingen und wiederholt die Melodie-Passagen mit Hall, Echo und Loops, während er ohne Dämpfer eine Parallel-Linie drüber legt. Dann wiederum versenkt er sich in ein expressives, emotionales sowie intensives Spiel, während der Rest des Quartetts pulsierend die rhythmische Basis baut. Nahtlos sind die Wechsel von Metrum und Tempo. Jesse Milliner zaubert einmal eine ausgedehnte lyrische Einleitung auf dem Flügel, ein anderes Mal unterstreicht er gemeinsam mit dem Bassisten in ostinaten Akkordfiguren den Drive des Trompeters oder spielt einen nahezu hymnischen Melodielauf. Stakkati auf der Trompete nehmen den Rhythmus der Vokalisen aus Gurtus Kehle auf.

„Es wird laut“ warnt Trilok Gurtu das Publikum. Und das wird es tatsächlich, so dass manchmal in der treibenden Percussions-Drum-Kombination das akustische Piano unterliegt. Andererseits faszinieren die Trompetensoli und der mitreißende Rhythmus so sehr, dass solche technischen Unzulänglichkeiten verzeihlich erscheinen. „Enjoy yourself“ hatte Gurtu dem Publikum gewünscht und versichert, dass dem Quartett der Auftritt in Mainz ebenso Freude bereitet.

Trilok Gurtu lässt es sich nicht nehmen, in einem Solo auf den Tablas, mit Windgeräuschen und Rasseln, singend, schnalzend und gurrend die indische Tradition zu pflegen. Er taucht Metallscheiben und Glöckchen ins Wasser, lässt den Metallboden einer Wanne klingen. In der Zugabe klopft und reibt er mit dem Fuß die Holzkastentrommel Cajón, animiert das Publikum zum Mitklatschen und singen, bevor sich das Quartett beifallsumtost verschiedet.

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