Treffpunkt Jazz: The Beatles Jazz-Experience am 18.10.17 in Mainz

Beatles Jazz Experience - Photo: Mümpfer

Wer­ner Köh­ler war den Beat­les ver­fal­len. Obwohl der 1954 gebo­re­ne Musik­chef des Süd­west­rund­funks die Band aus den aus­ge­hen­den 50er und den 1960er Jah­ren nur als Jun­ge ken­nen­ge­lernt haben dürf­te, erin­ner­te er sich beim „ Treff­punkt Jazz“ im über­füll­ten Frank­fur­ter Hof in Mainz an das Jahr 1964 und sei­ne ers­te musi­ka­li­sche Begeg­nung mit den vier Pio­nie­ren aus Liver­pool. „Ihre Musik war vol­ler Ener­gie und Kraft, aber auch gesät­tigt mit Wut und Pro­test“, sag­te er an sei­nem klei­nen Tisch im Schein­wer­fer­licht. Und so erzähl­te er beim Kon­zert „The Beat­les Jazz Expe­ri­ence“ die Geschich­ten hin­ter des Songs von „Hard Day´s Night“ über „And I love her“ bis „Yes­ter­day“ sowie von deren Ent­ste­hung.

Es war ein bemer­kens­wer­tes Kon­zert, das die Ver­ant­wort­li­chen ganz den Kom­po­si­tio­nen der Beat­les wid­me­ten. Die Ori­gi­na­le klan­gen zwar ver­traut, doch die Musi­ker expe­ri­men­tier­ten dem Mot­to des Abends ent­spre­chend mit Jazz­va­ria­tio­nen der Songs.

Denn: Inzwi­schen haben berühm­te Jazz­mu­si­ker wie Her­bie Han­cock und Brad Mehl­dau Beat­les-Melo­di­en in ihr Reper­toire auf­ge­nom­men. In Mainz inter­pre­tier­te eine glän­zend auf­ge­leg­te Band aus Stu­den­ten der Musik­hoch­schu­le (Instru­men­ta­lis­ten und Voka­lis­ten) die Kom­po­si­tio­nen in den Arran­ge­ments des Trom­pe­ters Fre­de­rik Kös­ter, des Pia­nis­ten Mehl­dau, der Rock­grup­pe „Earth, Wind & Fire“ sowie des Treff­punkt-Initia­tors Sebas­ti­an Ster­nal. In „Nor­we­gi­an Wood“ hat­te sich gar eine moda­le Struk­tur der Miles Davis-Kom­po­si­ti­on aus dem 1959er-Album „Kind of Blue“ ein­ge­schli­chen.

Köh­ler erzähl­te von der Namens­ge­bung des Lie­des „Hard Day´s Night“, die lie­bens­wer­te Sto­ry von „Lucy in the sky“ und dem unbe­rech­tig­ten Vor­wurf, LSD zu ver­herr­li­chen, von den Erin­ne­run­gen an die „Pen­ny Lane“ und den ver­geb­li­chen Ver­su­chen der Stadt Liver­pool, das Stra­ßen­schild zu schüt­zen. Der Beat­les-Spe­zia­list gab die Anek­do­te von dem Jun­gen zum Bes­ten, der den ihm unbe­kann­ten Paul McCart­ney vor des­sen Eltern­haus ansprach und als Freund des Beat­les nach Hau­se gehen durf­te. Im Gespräch mit Sebas­ti­an Ster­nal erfrag­te Köh­ler die Fas­zi­na­ti­on, die für den Pia­nis­ten von den Beat­les aus­ging: Die berühm­te Vie­rer­ban­de aus Liver­pool habe sich eben­so wie Jazz­mu­si­ker zahl­rei­chen Ein­flüs­sen geöff­net.

Caro Trisch­ler sang sen­si­bel und vol­ler Emo­tio­nen ihre Songs wie „Elea­nor Rig­by“ und mit ihrem männ­li­chen Kol­le­gen Lou­is Gro­te „Black­bird“. Im Duo mit dem Pia­nis­ten Andre­as Dit­tin­ger inter­pre­tier­te die Sän­ge­rin mit leicht gepress­ter Kopf­stim­me ein inti­mes „Yes­ter­day“, wäh­rend sie bei den rest­li­chen Songs ihren kla­ren Gesang und ihre Aus­druck­mög­lich­kei­ten unter Beweis stell­te. Lou­is Gro­te sang teils trei­bend und stets sou­ve­rän sei­ne Lied­fas­sun­gen. Gitar­rist Simon Schae­fer riss die Gis­san­di und Läu­fe aus den Sai­ten, Bas­sist Dani­el Oster zupf­te auf dem gro­ßen Instru­ment tro­cke­ne Lini­en und reiz­vol­le har­mo­ni­sche Wen­dun­gen. Der stets prä­sen­te und stüt­zen­de Schlag­zeu­ger Max Lüt­tich wech­sel­te in sei­nem Solo von der Poly­rhyth­mik zum grad­li­ni­gen Beat. Bemer­kens­wert waren neben dem emp­find­sa­men Spiel Oli­ver Nau­manns zum Gesang vor allem die Uni­so­no-Pas­sa­gen mit dem Fen­der Rho­des von Dit­tin­ger. Nur scha­de, dass das gelun­ge­ne Kon­zert mit den Erzäh­lun­gen Köh­lers nicht vom SWR auf­ge­zeich­net wur­de.

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Text und Foto­gra­fie von Klaus Mümp­fer – Mümp­fers Jazz­no­ti­zen

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