„Treffpunkt Jazz“ mit „Remembering Charlie Parker“ in Mainz, 21. Januar 2015

Mebus Weinig Kaltenborn - Photo: Klaus Muempfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer 

Der Jazz teilt sich in eine Ära vor Charlie Parker, und eine, die durch ihn verwandelt wurde. Denn Parker hat die Sprache erfunden, in der sich der moderne Jazz ausdrückt. So steht es auf dem Klappentest der Parker-Biografie Wolfram Knauers. Der renommierte Leiter des Darmstädter Jazzinstituts liest beim „Treffpunkt Jazz – Remembering Charlie Parker“ aus diesem Buch, während der Lead-Saxophonist der hr-Bigband, Heinz-Dieter Sauerborn, mit einer Band aus Musikern der Mainzer Hochschule jene Stücke interpretiert, die die Saxophonlegende in den 40er Jahren berühmt gemacht hat.

„Be Bop“, der Songtitel, der der gesamten Stilperiode ihren Namen gab, war eigentlich eine Komposition Dizzy Gillespies aus dem Jahr 1944. Die erste Studioaufnahme stammte allerdings vom Weggefährten Parker und galt ursprünglich als missglückt. Der Altsaxophonist war zu jener Zeit drogen- und alkoholsüchtig, ließ das Stück mit den Achtelnotenketten in zu schnellem Spiel in einem Klangstrom verschmelzen. Beim Konzert im Frankfurter Hof wurde der junge Trompeter Marko Mebus mit gleißendem, kraftvollem Ton, überblasenen Spitzen und leicht aufgeraut dem virtuosen Trompetenpart gerecht, dem die Komposition den alternativen Titel „Dizzys fingers“ verdankt. Sauerborn steigt zunächst fast zahm in das Stück ein, steigert sich stetig, und schließt „Be Bop“ nach einem kurzen Unisono-Duo mit dem Trompeter zweistimmig ab. Drummer Lukas Tiedecke sowie später Hendrik Smock trommelten pulsierend, Bassist Bastian Weinig lässt sein Instrument straight marschieren.

Geschickt mischen Treffpunkt-Jazz-Initiator Sebastian Sternal und die Musiker das Programm des Abends. Die zahlreichen Zuhörer im intimen Ambiente hören aus der Frühzeit Parkers die noch von der Swing-Ära beeinflusste „Yardbird-Suite“ mit der sanglichen Melodie, die Ballade „My old flame“ mit dem ruhigen Altsaxophon Sauerborns in weiten Melodiebögen sowie dem harmonisch reizvollen Bass-Solo Weinigs. Zum Abschluss dieses Streifzugs durch das musikalische Werk Parkers spielt die Band das Up-Tempo-Stück „Donna Lee“ mit seinen typischen Lee-Harmonien.

Begonnen hatte das Konzert nach dem einleitenden „Confirmation“ mit „Buzzy“ aus der Donna Lee-Session im Mai 1047. Mebus glänzt erneut als High-note-Trompeter und Sauerborn mit seinen Oktavsprüngen sowie expressiven Stakkati auf dem Altsaxophon. Der Leader der hr-Saxophon-Section bricht den melodiösen Fluss von „Just Friends“ auf und fasziniert im Ruf-Antwort-Spiel mit dem Trompeter. Sein ausdrucksvolles und leicht wirkendes Saxophonspiel an diesem Abend war gekennzeichnet von sensiblen Interaktionen und eigenwilligen Soli.Das begeisterte Publikum  wird von der „Remember Parker“-Band mit der Zugabe „Cherokee“ belohnt.

Der Applaus gilt auch Wolfram Knauer. In seiner Parker-Biografie zeichnet er in kurzen Passagen sensibel und einfühlsam das ausschweifende Leben des Saxophon-Genies nach, beleuchtet die künstlerische Bedeutung Parkers, dessen exzessive  Musik logisch und strukturiert war, dessen ebenso exzessives Leben allerdings völlig ohne Struktur blieb. Fans sprühten mit „Bird lives“ nach Parker Tod Graffities, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben.

Im zweiten Teil des Abends stellt der Gitarrist Julian Elsesser seine elfköpfige Band, die in Kürze beim Examenskonzert spielt, mit Jazz, Funk und Soul vor. Das kleine Orchester spielte Klassiker etwa von Horace Silver und Eigenkompositionen des Gitarristen. Die Kollektive klangen logisch und spannend, das Zusammenspiel war präzise und zeugten von verständnisvollen Interaktionen.

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