„The Art of the Trio“ an der Musikhochschule Mainz, 27. November 2014

Art of the Trio - Photo: Mümpfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer 

Duos und Trios verlangen intensive und verständnisvolle Interaktionen der beteiligten  Künstler, denn solch kleine Formationen decken unerbittlich Fehler im Zusammenspiel auf. Zugleich haben Trios vor allem in der klassischen Besetzung von Piano, Bass und Schlagzeug eine lange Tradition in der Geschichte des Jazz.  Sie gelten nicht umsonst als Königsdisziplin für Jazzpianisten. Im Trialog der Instrumente ist alles möglich – von kammermusikalischer Raffinesse bis hin zum Drive einer swingenden Big Band. Legendäre Trios prägen die Jazz-Geschichte, von Nat King Cole über Oscar Peterson und Bill Evans bis hin zu Keith Jarrett und Brad Mehldau, dessen Einspielungen von Produzenten werbewirksam als „The Art oft he Trio“ vermarktet wurden.

 Im Klavierforum unter Leitung von Jazz-Professor Sebastian Sternal widmen sich die Jazzklavier-Studierenden der Hochschule für Musik Mainz diesen großen Trios und spielen Stücke im Geiste ihrer Vorbilder. So entsteht ein zauberhafter, miteinander verwobener Trialog der Musiker und ein kammermusikalischer, akustischer Jazz, den die zahlreichen Zuhörer im Roten Saal der Hochschule begeistert feierten.

Sternal, der gemeinsam mit dem Bassisten Bastian Weinig und dem Schlagzeuger Pit Marquardt das Konzert eröffnet, widmet Duke Ellingtons „C-Jam Blues“ dem Pianisten Oscar Peterson, dessen Trio mit dem Bassisten Ray Brown und dem Schlagzeuger Ed Thigpen legendär wurde.

Sternal zeigt, was ein Pianist aus einer einfachen Rhythmusfigur auf einem Ton und den Quartensprüngen zaubern kann, fesselt mit Ostinati und lässt das Thema durch ein Bass-Solo anreichern sowie das flexible Schlagzeugspiel abrunden. Dem Pianisten Bill Evans, der nach Sternals Worten das Triospiel revolutionierte, die Rollenverteilung von Leader und Begleiter aufhob und den Bass zum Melodieinstrument erhob, war Victor Youngs „Beautiful Love“ gewidmet. Andreas Dittinger am Flügel besticht mit kraftvollem Anschlag im sperrigem Spiel, Bassist Eduardo Saballa zupft neben den Walking Lines seine Melodielinien und Johannes Lüttgen unterlegt den Beat mit dynamischer Abstufung. Pianist Johannes Wolf widmet mit Sabella und Lüttgen Nat Simons „Poinciana“ dem Vorbild Ahmad Jamal, der Eleganz mit Easy-Listening verband, über einen nuancierten Anschlag verfügte und rhythmische Präzision demonstrierte.

Erstaunlich, mit welcher Reife und Einfühlsamkeit sich die Studenten am Flügel berühmten Pianisten wie Brad Mehldau, Esbjörn Svensson oder Keith Jarrett nähern. Das gilt auch für Jan-Felix May mit seinen Akkord-Akzenten in den perlenden Läufen, die klassisch wirkende Intro und die hymnischen Läufe von Nicolas Hering, die beseelten und verspielten Passagen von Lukas Ruschitzka und die lyrischen Läufe mit den Ostinati in den Bässen von Lukas Moritz.

Nat King Cole, so Moderator Sternal, bildete einst eines der ersten berühmten Trios – allerdings mit einem Rhythmus-Gitarristen an Stelle des Schlagzeugers. Till Vogelsang interpretiert das legendäre „Straighten Up and Fly Right“  gesanglich und am Flügel mit David Mehre an der Gitarre und Bastian Weinig am Kontrabass.