Talente aus Böblingen, Marbach und Göppingen siegreich

LUDWIGSBURG. Im Zeitalter, wo Robbie Williams pompös auf Swing macht und die „No Angels“ sich von einer kraftvollen Big Band begleiten lassen, ist der Jazz bei Teenagern doch nicht völlig aus der Mode. Auch bei dem nun zum zehnten Mal in Baden-Württemberg veranstalteten Wettbewerb „Jugend jazzt“ zeigt es sich, dass es hierzulande viele Talente der swingenden Zunft gibt. Selbst die Zweitplatzierten bei dem in den Ludwigsburger „Bauer Studios“ durchgeführten Regionalentscheid wiesen ein recht hohes Niveau auf. Aber nur die absoluten Sieger konnten sich für das Finale am 17. September im Theaterhaus Stuttgart qualifizieren. Die Gewinner der Endrunde dürfen dann eine Woche später (nochmals) in das renommierte Tonstudio kommen – diesmal jedoch mit eingestöpselten Mikrofonen und rotierenden Aufzeichnungsmaschinen, wenn als Prämie eine gemeinsame CD erstellt wird.

Gleich die erste Schüler-Big-Band des Nachmittags wurde von der Jury (Uwe Leiber, Frieder Berlin, Hans Kumpf) mit einem 1. Preis bedacht, nämlich die „AEG Big Band Böblingen“. Das von Johannes Stephan betreute Jazzorchester des Albert-Einstein-Gymnasiums vermochte mit ausgefeiltem und dynamisch akzentuiertem Spiel zu überzeugen, wobei es stilistisch der Swing-Tradition verhaftet blieb. Zum Repertoire gehören beispielsweise Duke Ellingtons „In A Mellow Tone“ und Bob Mintzers „Mambone“. Interessant dazu die Vokaldarbietungen von Hans Kläger und Katja Eisenbacher, die auch noch in dem Kleinensemble „Black and Blue“ beteiligt war. In dieser „band in the band“ ließ vor allem der virtuose Posaunist Dennis Schöps aufhorchen. Zukünftig können und sollten sich die „Black and Blue“-Solisten innerhalb der „AEG Big Band“ ausführlicher präsentieren.

Auf Platz 2 landeten die „MB Big Band“ und die Big Band vom Plochinger Gymnasium. Seit über Jahrzehnten mischt der Trompeter Frédéric Rabold mit einem swingenden Großaufgebot der Musikschule Marbach-Bottwartal bei „Jugend jazzt“ erfolgreich mit, aber diesmal war der Konkurrenzdruck bereits am Anfang doch schon zu stark. 

Aus dem Bottwartal stammt ebenfalls das Quartet „Sightwinder“, das sich in der Kategorie „Combos“ bewähren konnte. Angeführt wird diese Formation von dem Marbacher Gitarristen Felix Gschwind. Die 20jährige Sängerin Daniela Bellin (Ilsfeld) brachte eine recht raukehlige Klangfarbe ein, so auch in der gemeinsamen Eigenkomposition „Misunderstood Comedian“. Vervollständigt wurde die Gruppierung durch den Bassisten Timo Herberholz und den Schlagzeuger Michael Schwabe.

Einen weiteren 1. Preis bei den Combos erhielt das Sextett „Checkpoint Jazz“ zuerkannt. Als dessen Herkunftsort wird Göppingen genannt, obwohl der Bandleader, Gitarrist Simon Krickl, eigentlich in der Kreisgemeinde Wangen wohnt und die anderen versierten Instrumentalisten in ganz Baden-Württemberg verstreut sind. So lautet die Heimatadresse des Saxofonisten Johannes Ludwig Osterburken, und die Kontrabassistin Judith Goldbach studiert in Mannheim. Mit dem Posaunisten Tamino Franz (Salem) hat man zudem einen gewieften Komponisten („Missing Horizon“) in den Reihen. Zusammen mit Drummer Martin Grünewald und dem Pianisten Stefan Buorguss musizierten diese Newcomers schon durchaus professionell.

Nicht derart ausgereift erschien die Gesamtleistung des Quartetts um den Tübinger Pianisten Anselm Krisch sowie das improvisationslose Klavierduo von Hermann Ebert und Maxim Matusko aus Schwäbisch Gmünd. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. In drei Jahren wird der nächste Contest „Jugend jazzt“ proklamiert.

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