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Review: Ramesh Shotham – Madras Special – Here it is

Famesh Shotham Madras Special - Cover

PCR 009

„Madras Special“ nennt der aus Südindien stammende Percussionist und Schlagzeuger Ramesh Shotham ein Projekt, das er schon seit vielen Jahren betreibt. „Madras Special“ ist aber auch der Titel der ersten Komposition in der jüngsten Einspielung jenes in Köln lebenden Brückenbauers zwischen verschiedenen musikalischen Kulturen. So beginnt die Musik sphärisch, frei schwebend und mystisch, um sich später in melodischen und groovenden Passagen aufzulösen.

Sie steht damit kontrastreich zur nachfolgenden Komposition des Budapester Geigers Zoltan Lantos. Sein „Puriya“ wirkt fast düster mit seiner kratzenden und kreischenden Violine, den expressiven Saxophonläufen von Johannes Lemke, den verzerrten Gitarrenklängen von Sebastian Müller und den Linien des  jüngsten Mitglieds der Formation, dem präzisen sowie hochgelobten Bassisten Reza Askari. An sich belegt die meist warm klingende, zigeunerhafte Violine des Ungarn Lantos die Nähe und Verwurzelung der Sinti und Roma-Kultur mit der indischen Musik. Schließlich ist der Künstler ein Kenner der südindischen Klassik.

„Here it is“ nimmt den Zuhörer mit auf eine akustische Reise, einen mitreißenden Sound-Trip durch die Kulturen indischer Klassik, Jazz, Balkan-Folklore, Funk, Rock und World-Music sowie der Shotham-typischen Rhythmik und Vokalisen. Der Wechsel zwischen präzise gespielten Skalen südindischer Ragas, percussivem „Gesang“ und freier Improvisation vermag zu begeistern. Komplexe Grooves lassen die Musik der Gruppe „Madras Special“ gleichermaßen intellektuell und emotional stimulierend wirken.

Neben der Stimme und der Percussion des Leaders Shotham sorgen vor allem die Gäste des Quintetts, die Sängerin R.A.S. Ramamani und T.A.S. Mani mit der Trommel Mridagam vom „Karnataka College of Percussion“, für fernöstliche Stimmung. Da passt natürlich die Komposition „Thillana“ mit ihrem bewegten südindischen Gesang über den Tanpura-Bordunklängen und dem gefühlvollen dem Einstieg des Saxophons, bevor die Percussion Akzente setzt.

Mit der Komposition „Mangalore“ der verstorbenen Saxophon-Legende Charlie Mariano, dem Traditional „Mallari“ und dem Shotham-Stück „Ek New Gana“ schließt sich Kreis dieser eindrucksvollen Einspielung „Here it is“. Herausgekommen ist eine Mixtur, bei der die Analyse der Einzelkomponenten überflüssig ist, um in die exotischen Sounds einzutauchen. Vorzüglich gemacht ist sogar die Hülle der CD.

 

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