Review: Kathrin Lemke Quartett – My Personal Heimat

Kathrin Lemke Quartett - My Personal Heimat - Cover


fix­cel records 13

Kath­rin Lem­ke wur­de nur 44 Jah­re alt. Die 1971 gebo­re­ne Saxo­pho­nis­tin arbei­te­te bis zuletzt im Janu­ar 2016 an dem Pro­jekt „My per­so­nal Hei­mat“, in dem sie auf ori­gi­nel­le Wei­se Volks­lie­der, Songs und Eigen­kom­po­si­tio­nen bear­bei­tet. „Bol­le reist jüngst zu Pfings­ten“, Ray­monds „Ich hab´ mein Herz in Hei­del­berg ver­lo­ren“ und Men­dels­sohn Bar­thol­dys „Abschied vom Wal­de“ oder „Das Lied der Schlümp­fe“ zäh­len eben­so dazu wie „The house oft he rising sun“  oder ihr „Ebend­adort“.

Die Lie­der wer­den auf ihren Kern redu­ziert, sind aber erkenn­bar. Die Musi­ke­rin setzt sich mit den Ori­gi­na­len auf fas­zi­nie­ren­de Wei­se aus­ein­an­der, lässt Tei­le der Melo­di­en immer wie­der auf­blit­zen, auch wenn sie ver­frem­det auf die Instru­men­te ihres Quar­tetts mit dem Pia­nis­ten Niko Mein­hold, dem Bas­sis­ten Adam Pultz Mel­bye und dem Drum­mer Micha­el Grie­ner trans­po­niert wur­den. So pul­siert die Musik in Lem­kes Arran­ge­ments mit dem sound­fär­ben­den Saxo­phon der Lea­de­rin.

Mal fließt die Musik wie in „Bol­les“ Rei­se, mal schrei­tet sie gra­vi­tä­tisch wie im „Heidelberg“-Song. Das Saxo­phon­so­lo im „Lied der Schlümp­fe“ klingt wie eine Übung, die zugleich von der schöp­fe­ri­schen Kraft der Künst­le­rin zeugt. „Ich wünsch´ mir eine klei­ne Mie­ze­kat­ze“ steckt vol­ler Humor und belegt wie alle Bear­bei­tun­gen die Spiel­freu­de der Betei­lig­ten.

Ihre eige­ne Kom­po­si­ti­on „Ebend­adort“ ver­rät die Eigen­stän­dig­keit der Saxo­pho­nis­tin, die die Tra­di­ti­on bewahrt und in vie­len Arran­ge­ments aus­spielt, sie aber oft­mals wie in „Abschied vom Wal­de“ auf die Stu­fe des frei­en Jazz erhebt. So wer­den die zwölf Kom­po­si­tio­nen  zu unter­halt­sa­men, emo­tio­nal ein­ge­färb­ten und span­nen­den Minia­tu­ren ver­dich­tet, in denen die Impro­vi­sa­ti­on eine wich­ti­ge Rol­le spielt.

Lem­ke hat in ihren Part­nern die idea­len Mit­spie­ler gefun­den, die sen­si­bel reagie­ren und wie der Bas­sist in „Rio Jara­ma“ reiz­vol­le Soli bei­steu­ern. „My per­so­nal Hei­mat“ ist ein wür­di­ges Ver­mächt­nis der all­zu früh nach schwe­rer Krank­heit ver­stor­be­nen Jazz­mu­si­ke­rin.

(km)

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