Review: Jutta Glaser & Bernhard Sperrfechter – Little Girl Blue

Gelegentlich, man sitzt in einem besonders anregendem Konzert eher lokal bekannter Größen, denkt man sich, daß es doch eigentlich eine recht sinnvolle Tätigkeit wäre, ein Plattenlabel zu gründen und diese schöne Musik auf CD zu bannen. So ging es mir vor etwa einem Jahr in einem Konzert im Mannheim Lagerhaus. Jutta Glaser, Bernhard Sperrfechter und Erwin Ditzner spielten ein exzellentes Konzert. Eine Handvoll Leute im Publikum und der Gedanke im Kopf des Rezensenten, daß so etwas Schönes einfach weiter verbreitet werden muß.

Wie gut, daß andere solch ein Projekt tatsächlich in Angriff nehmen und realisieren – und höre da: bereits 2002 wurde die Musik von Jutta Glaser und Bernhard Sperrfechter auf einer CD mit dem Titel „Little Girl Blue” eingespielt. Wenn die eher pop-orientierte Beifahrerin neugierig fragt, was sich jetzt gerade im CD-Player dreht, dann muß umgehend befürchtet werden, daß wir es hier möglicherweise nicht mit dem wahren und guten Jazz zu tun haben…

Ist es also das, was man sich selbst von so einer Einspielung erhofft hätte? Besser!

Jutta Glasers Stimme hat einen jugendlichen Charme, ist angenehm vibratoarm und sie ist in eher rockorientieren Stücken genauso zuhause wie im Blues oder klassischen Jazz-Balladen. Sperrfechter’s Gitarrenbegleitung ist eigenständig und unterstützt doch immer den Ausdruck der Stücke und von Jutta Glasers Gesang. Sein Spektrum reicht von drängenden akustischen Akkord Gewittern  bis zu zärtlich-lyrischen Melodielinien immer kommunikativ und immer einfallsreich.

Die beiden Musiker können tun – und sie nutzen diesen Freiraum – was auf den Platten etablierter Sängerinnen großer Labels längst nicht mehr möglich ist: Experimentierfreude ausleben und stilistische Grenzen fröhlich ignorieren. Das Spektrum reicht vom Van Morrison Klassiker „Moondance” über einen estnischen Tanz bis hin zum Blues, ein witziges Stückchen über einen Betonmischer oder die Entführung in einen imaginären Urwald mit allerlei Vogelstimmen inklusive. Kleine Studiotechnische Spielchen passen sich unauffällig positiv in die akustische Platte ein und der Gastauftritt von Deutschlands bestem Schlagzeuger  Erwin Ditzner (keine Protest-Mails bitte ;-) ist natürlich einer der Highlights dieser Platte.

Das schönste zum Schluß: wenn Jutta Glaser und Bernhard Sperrfechter „Somewhere Over The Rainbow” im Duo spielen, dann wird aus einer tausendfach abgenudelten Ballade einfach wieder nur zauberhafte Musik.

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