Ralph Towner wurde mit der German Jazz Trophy geehrt

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Text und Photos: Hans Kumpf 

Gitarristenmeister ohne Plektrum

Staatssekretär Jürgen Walter hielt die Laudatio – Auftaktveranstaltung zum Festival Jazzopen 

Stuttgart.- Den Grünen-Politiker Jürgen Walter und den Gitarristen Ralph Towner verbindet eine enge Freundschaft. Zunächst war der in Asperg bei Ludwigsburg beheimatete Walter lediglich ein leidenschaftlicher Fan des nach dem amerikanischen Bundesstaat benannten Quartetts Oregon, als er dieses erstmals am 19. März 1974 im Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle hörte. Alsbald verbrachte Walter zwei Semster an der University of Oregon, der Universität, an der Ralph Towner zuvor eingeschrieben war. Ab den 1980er Jahren betätigte sich der studierte Philologe als emsiger Organisator von „Oregon“-Konzerten vornehmlich in der Region Stuttgart, aber auch in ganz Deutschland.

Jürgen Walter, inzwischen Staatssekretär im baden-württembergischen Kunstministerium, war also bestens geeignet, als Laudator bei der feierlichen Preisverleihung „German Jazz Trophy“ mitzuwirken. Nun erhielt der 75-jährige Ralph Towner im Eventcenter „SpardaWelt“ am Hauptbahnhof die von Otto Herbert Hajek geschaffene Skulptur als Anerkennung für „A Life of Jazz“. Auslober der Trophäe sind nach wie vor die Stiftung Kunst & Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg, die in Regensburg erscheinende Jazzzeitung und die Stuttgarter Kulturgemeinschaft Musik+Wort e.V..

Ralph Towner signiert Jazzkalender von Hans Kumpf

Ralph Towner signiert den Jazzkalender von Hans Kumpf

In seiner analytischen wie anekdotischen Rede erzählte der jazzverliebte Staatssekretär der Festgemeinde zunächst, wie Ralph Towner zur Gitarre gelangt ist. Teenager Ralph, der zudem – wie seine Mutter – Klavier spielte, wollte in einem Musikalienfachhandel eigentlich nur Öl für die Ventile seiner Trompete erwerben, bekam aber vom geschäftstüchtigen Verkäufer eine Gitarre aufgeschwatzt. Übrigens: Kurze Zeit danach wurde dieser Händler wegen Pädophilie inhaftiert. Hätte Towner also erst ein paar Wochen später leichtgängige Trompetenventile haben wollen, wäre aus ihm vermutlich nie ein – weltweit geschätzter – Saitenkünstler geworden…

Und Jürgen Walter verwies auch auf die „All-umfassenden“ kosmischen Dimensionen von Ralph Towner: „Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, war ein großer Fan von Ralph Towner. Er nahm auf seinem Flug eine Kassette mit, die Ralph zusammen mit dem Paul Winter Consort eingespielt hatte, und weil ihn diese Musik so begeisterte, benannte er sogar zwei Mondkrater nach Towners Kompositionen.“

Längst ist die klassische Konzertgitarre das Hauptinstrument des erfolgreichen Musikers. Und da tönt Towner eher wie Andrés Segovia als wie Charlie Christian oder Jim Hall. Ein Plektrum ist ihm zuwider, elektronische Zusatzeffekte setzt er, wenn überhaupt, ganz dezent ein. Als Blechbläser oder als Pianist tat sich Ralph Towner beim fälligen Preisträgerkonzert, welches zugleich als Auftaktveranstaltung zum hochsommerlichen Festival Jazzopen programmiert war, allerdings nicht hervor.

Zunächst präsentierte sich der am 1. März 1940 in Chehalis, Washington, geborene Künstler rein solistisch, sei es sechs- oder zwölfsaitig. Und hier bestätigte sich, was zuvor der Staatssekretär betont hatte: „Das „Ich-kann-es-noch-schneller-als-der-Mahavishnu“ (John McLaughlin also – die Red.) war nicht seine musikalische Leitidee. Er übte sich lieber in subtilen, lyrischen, harmonisch einfühlsamen und kammermusikalischen Klängen.“ Towner selbst bezeugt, dass ihn der legendäre Bill Evans sehr beeinflusst habe und er seine Gitarre stets vom Klavier her denke.

Und als der US-Amerikaner zwei langjährige Instrumentalkollegen auf die Bühne bat – nämlich den Österreicher Wolfgang Muthspiel und Slava Grigoryan, 1976 in Kasachstan in eine armenische Musikerfamilie hineingeboren und mittlerweile in Australien lebend – ging es einträchtig weiter. Keine kämpferische „battle“ – das Spiel ging eher introvertiert und unaufgeregt vonstatten. Viel Notenmaterial, aber auch Möglichkeiten für freie Interaktionen in freundlicher Kameradschaft bei demokratischer Gleichberechtigung der Instrumentalisten. Alles geschmackvoll – eben in „klassisch“ kammermusikalischer Noblesse mit Sinn für romantisches Feeling. Herzlicher Applaus schlussendlich.

Die „German Jazz Trophy“ wurde heuer zum 15. Mal verliehen. Die seitherigen Preisträger sind seit 2001 chronologisch aufgereiht: Erwin Lehn, Paul Kuhn, Wolfgang Dauner, Jan Toots Thielemans, Kenny Wheeler, Dick Hyman, Jean-Luc Ponty, Hugo Strasser, Carla Bley, Jacques Loussier, Dave Holland, Monty Alexander, Lee Konitz und Chris Barber. Die Jubilare haben grundsätzlich ein Preisträgerkonzert zu bestreiten. Deswegen konnte der nach einem Schlaganfall partiell gelähmte Bassist Eberhard Weber diese Auszeichnung nicht erhalten. Für sein Lebenswerk wurde der ebenfalls 75-Jährige aber schon zu Beginn von 2015 mit einer Sonderausgabe des geldwerten Jazzpreises Baden-Württemberg und anschließend in Hamburg mit einem Jazz-Echo ausgezeichnet.

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