„… wie im Märchen“: moers festival stellt Programm und zentrale Produktionen für 2026 vor

Das moers festival hat sein Programm für die 55. Ausgabe vorgestellt. Die Jubiläumsausgabe läuft an Pfingsten vom 21. bis 25. Mai 2026 und steht unter dem Motto „… wie im Märchen“. Angekündigt sind rund 200 Mitwirkende aus mehr als 20 Nationen. Nach den räumlichen Verschiebungen der vergangenen Zeit setzt das Festival 2026 nun auf Innenstadt-Nähe und hat den zentralen Kastellplatz als Festivalzentrum gewählt.

Inhaltlich dient das Märchenhafte als Rahmen, um über Gegenwart, Deutung und Wahrheit zu sprechen, ohne das Thema auf eine bestimmte Tradition festzulegen. Der Subtitel „Jazzfestival für Rotkäppchen, klatschende Frösche, Wirklichkeitsflucht und: Âventiure“ markiert diese Richtung als bewusst offenen Interpretationsraum. Im Zentrum stehen zwei halbszenische Großproduktionen: Gellért Szabó’s Ideal Orchestra wird als „Festivalmärchen“ angekündigt, das eine Verwandlung als dramaturgischen Motor nutzt, und das Chroma Kollektiv bringt mit „Märchenhafte Klangschaften“ ein Musiktheaterprojekt nach Moers, das den Umgang mit Wahrheitssuche und Eskapismus als Klang- und Bühnenerzählung verhandelt.

Das Line-up selbst bildet diesen Ansatz musikalisch breit ab und bleibt dabei erkennbar im Moers-Kosmos zwischen Improvisation, Komposition, Elektronik und Grenzformaten. Auf der Jazz- und Improvisationsseite sind unter anderem Konstellationen wie Angelika Niescier mit Tomeka Reid und Eliza Salem angekündigt, außerdem Schlagzeuger und Grenzgänger wie Ches Smith und Chris Corsano. Lakecia Benjamin kommt mit Band, während Projekte wie das Clemens Köhler Trio eine eher klassisch bandorientierte Perspektive einbringen. Daneben stehen Setups, die den Klangbegriff erweitern: Barbara Togander arbeitet solo mit Stimme und Turntables, Binghi ist als DJ-Set gelistet, und Moritz Simon Geist ist mit seiner Drum-Robot-Installation MR808 als durchgehendes Element auf dem Gelände angekündigt.

Deutlich sichtbar ist zudem die internationale und instrumentale Spannweite des Programms. Burned Roads of Myanmar verbindet traditionelle Instrumente wie Pat Waing und burmesische Harfe mit Stimmen aus der improvisierten Szene, und Nicole Mitchell ist mit Black Earth SWAY vertreten. Mit Miklós Lukács (Cimbalom) rückt ein Instrument ins Zentrum, das im Jazzkontext selten auftaucht. Weitere Akzente setzen Acts wie Senyawa, Seperewa Agofoma oder The Dwarfs of East Agouza, die jeweils aus sehr unterschiedlichen musikalischen Umfeldern kommen und in Moers in den Festivalzusammenhang gestellt werden. Für großformatige Orchesterfarbe steht außerdem die WDR Big Band mit Nduduzo Makhathini und dem Projekt „The Ntu“.

Zu den festen Festival-Bestandteilen gehören neben den Konzerten auch die discussions!-Reihe als tägliche Panels zu politischen Themen. Ergänzend ist Freysinn wieder als selbstkuratierte Session mit zehn Slots an fünf Tagen in der Röhre angekündigt. Tickets werden über den Festivalshop angeboten; einzelne Services wie der Shuttlebetrieb sind laut Festivalinformation an ein gültiges Festivalticket gebunden, das gilt auch für die limitierten Zeltplätze in diesem Jahr.

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© 1997 – today | ISSN 2751-4099

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