Michel Portal ist am 12. Februar 2026 in Paris kurz nach seinem 90. Geburtstag gestorben. Er war Klarinettist, Bassklarinettist und Saxophonist, und er war vor allem eines: ein Musiker, der sich wenig festlegen ließ. Portal kam aus Bayonne, erhielt eine klassische Ausbildung am Conservatoire de Paris und bewegte sich früh in der zeitgenössischen Musik – ohne deshalb den Jazz als „Nebenweg“ zu behandeln. Beides lief parallel, beides blieb gleich wichtig, beides hat sich bei ihm gegenseitig inspiriert.
Im Jazz wurde Portal zu einer eigenständigen musikalischen Persönlichkeit, weil er nicht nach dem sicheren Ton suchte, sondern nach dem richtigen Moment. Gerade auf der Bassklarinette klang das oft kantig, manchmal auch bewusst „unschön“ – aber nie zufällig. Er setzte das Instrument nicht als exotische Farbe ein, sondern als vollwertige Stimme, die tragen, schneiden, flüstern und drängen konnte. Wer Portal live erlebt hat, kennt diese Mischung aus Kontrolle und Kraft: präzise Ansätze, dann wieder eine Linie, die absichtlich ausfranst, als würde sie prüfen, wie viel Form nötig ist.
Seine Projekte und Besetzungen wechselten häufig. Portal war kein Markenname mit festem Format, eher ein beweglicher Kern, um den herum sich unterschiedliche Konstellationen bildeten. Dazu gehörte auch seine Arbeit als Filmkomponist: Musik, die selten dekoriert, sondern Atmosphäre inszeniert und Szenen zusammenhält. Bis ins hohe Alter blieb er aktiv, neugierig und präsent als Musiker.
Mit Michel Portal verliert der europäische Jazz eine zentrale Persönlichkeit der improvisierten Musik seit den 1960er-Jahren.
Photos von Manfred Rinderspacher
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© 1997 – today | ISSN 2751-4099












