Lömsch Lehmann und Sebastian Gramss mit „knoM.T“ bei Jazz im Busch in Mannheim

Einerseits lebt der Jazz von ständig neuen Verbindungen und Kombinationen – kein anderer Musikstil würfelt Musiker in so immer neue aufregende Kombinationen zusammen. Andererseits gehört gerade das Finden von Neuem im Vertrauten zum Charakter des Jazz, das wunderbare musikalische Ereignisse geschehen lässt. Saxophonist Lömsch Lehmann und Sebastian Gramss kennen sich seit Jahrzehnten, spielen in einer der originellsten Formationen des deutschen Jazz – Underkarl – zusammen, und mit Schlagzeugerkollegen Erwin Ditzner sind sie als Trio „Sind sie außer Gefahr?“ gelegentlich unterwegs.

Ihre Duo LP knoM.T haben sie im Jahr 2000 veröffentlicht, und die gehört nach wie vor zu den hervorragenden Jazz-Schallplatten der letzten 20 Jahre. Man könnte den Ansatz – Monk rückwärts gespielt – als Idee aus einer Bierlaune abtun. Vielleicht war es das. Nur: wenn zwei Improvisatoren dieser Qualität sich einer solchen Idee annehmen, dann entsteht Großes.

Bei Jazz im Busch, der vom Jazzgitarristen Steffen Rosskopf kuratierten Reihe spielte das Duo im Port25 am Mannheimer Hafen zunächst frei miteinander. Jazz at its best: zwei Musiker, die ihre Instrumente eh beherrschen und damit konzentriert und sensibel interagieren. Lehmann lässt den Klang der Klarinette im Raum rotieren, entlockt dem Tenorsaxophon zarte Töne und eruptive Klangbrocken. Sebstian Gramss kongenial: mit zarten Flageoletttönen, robusten Melodielinien und kreativen Klangspielereyen – seine Finger erzeugen „Rutschtöne“ auf dem Klangkorpus, der elegante Holzkasten wird zum Resonanzkörper für Perkussion. Und eben traumwandlerisches Zusammenspiel: sie kennen sich, sie finden sich, ihnen gelingt gelingt nicht nur der musikalische Dialog, sie nehmen die Hörer auf eine ganz natürlich fließende Weise mit auf ihre musikalische Reise.

Im gleichen Set dann das knoM.T-Programm. Die genial-schrulligen Melodien sind vorwärts wie rückwärts gespielt genial. Die Monk-Klassiker grundieren die Werke, auch rückwärts geben sie den Charakter vor – mehr braucht das Duo nicht. Die Monkschen Titel machen sie zu ihrer ganz eigenen Musik. Jazz eben.

Fotos Urheberrecht: Frank Schindelbeck Jazzfotografie

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