Konzert mit Gernot Blume in Klein-Winternheim am 22.9.2017

Gernot Blume - Photo: Mümpfer

„Ich habe mein Reper­toire für die­ses Haus­kon­zert aus nicht­klas­si­scher Musik zusam­men­ge­stellt – näm­lich aus Eigen­kom­po­si­tio­nen, bekann­ten Hits aus der Pop-Musik sowie Spi­ri­tu­als“, erläu­tert der Har­fe­nist und Kom­po­nist Ger­not Blu­me vor dem Spiel in Klein-Win­tern­heim. Den­noch ist sei­ne Bear­bei­tung des Johann Sebas­ti­an Bach-Cho­rals „Jesus blei­bet mei­ne Freu­de“ eines der ein­dring­lichs­ten und emo­tio­nals­ten Stü­cke die­ses Kon­zer­tes vor zahl­rei­chen Zuhö­rern. Aus sei­nen Erfah­run­gen als Jazz­pia­nist resul­tiert sicher sei­ne impro­vi­sie­ren­de Inter­pre­ta­ti­on des Gershwin-Songs „Sum­mer­ti­me“, den der Mul­ti-Instru­men­ta­list Blu­me für sei­ne Dop­pel­pe­dal­har­fe tran­skri­bier­te. Der Künst­ler redu­ziert die Kom­po­si­ti­on auf die Struk­tur und baut die Melo­die neu auf. Glei­ches voll­zieht Blu­me in den Mit­tel­tei­len der Lie­der „Hal­le­lu­ja“ von Leo­nard Cohen sowie in der Zuga­be von John Len­nons „Ima­gi­ne“. Zita­te aus der Klas­sik schlei­chen unbe­ab­sich­tigt in sei­ne Kom­po­si­ti­on „Pre­face“ ein.

Auf dem gro­ßen Instru­ment ent­lockt der Künst­ler eine abwechs­lungs­rei­che und span­nen­de Klang­viel­falt – mal medi­ta­tiv, mal tän­ze­risch und immer bewegt. „Musik sucht sich die ver­schie­dens­ten Klang­far­ben, Ein­flüs­se, Inspi­ra­tio­nen, Sti­le, Instru­men­te. Sie kennt die Tra­di­tio­nen der Kul­tu­ren die­ser Welt und über­win­det Gren­zen.“ Die­sem Pos­tu­lat bleibt Blu­me treu.

Mit­sing­bar sind Hits wie das Gitar­ren­stück „Let it be“ von den Beat­les oder der Carol King-Song „You´ve got a fri­end“. Die Noten per­len aus dem Instru­ment, die Fin­ger Blu­mes flie­gen bei Glis­san­di und Akkord­grif­fen über die 47 Sai­ten auch dann, wenn der Künst­ler in der Adap­ti­on bei dem Spi­ri­tu­al „Ama­zing grace“ die Rei­bungs­flä­chen des unge­wöhn­li­chen Instru­ments mit den Emo­tio­nen des Wer­kes voll aus­kos­tet. „Pil­grimage“ war sei­ne ers­te Kom­po­si­ti­on, die beim Spie­len ent­stand, erzählt der 50-jäh­ri­ge. „Die Ent­ste­hung glich einer Pil­ger­fahrt, die schließ­lich zur Nota­ti­on führ­te“.

Das Publi­kum lauscht dem musi­ka­li­schen „Nah­kampf“, schlüpft „durch das klei­ne Loch der Ewig­keit ins Reich der Klän­ge“, ganz so wie es Ger­not Blu­me nach einem ein­lei­ten­den Gedicht aus sei­ner Feder gewünscht hat­te. Die Zuhö­rer der intro­ver­tier­ten und zugleich trei­ben­den Klang­bil­der – wie bei „O when the Saints“ – „lie­ßen sich in die Musik fal­len“. „Musik, die aus der See­le kommt, ist kein Luxus­gut, son­dern ein zutiefst mensch­li­ches Bedürf­nis“, hat Blu­me ein­mal gesagt.

„Die Har­fe ist eine Diva“, kom­men­tiert der Spie­ler beim Nach­stim­men der Sai­ten. Bei die­sem Haus­kon­zert auf Ein­la­dung der Kul­tur-Initia­ti­ve Klein-Win­tern­heim (KiWi) mode­riert Ger­not Blu­me char­mant. Lehr­reich sind sei­ne Erläu­te­run­gen der Funk­ti­on der sie­ben Peda­le im Fuß der Har­fe, mit denen er die sechs­ein­halb Okta­ven je einen Halb­ton höher oder nied­ri­ger stim­men kann.

Zum Ein­gang des Abends stel­len der KiWi-Vor­sit­zen­de Olav Muhl und Gast­ge­ber Bern­hard Schwank den im Bin­gen gebo­re­nen Ger­not Blu­me vor. Ver­hei­ra­tet mit der Marim­ba-Spie­le­rin und Per­kus­sio­nis­tin Julie Spen­cer, hat­te er in Ame­ri­ka stu­diert und über Keith Jar­rett pro­mo­viert. Gegen­wär­tig lehrt Blu­me am Hil­de­gar­dis Gym­na­si­um in Bin­gen sowie an der Uni­ver­si­tät in Frank­furt. Mit sei­ner instru­men­ta­len Viel­falt von Kla­vier, Har­fe, Nyckel­har­pa, Akkor­de­on, Kon­tra­bass, Sitar, Sur­ba­har, Vibra­phon, Marim­ba bis Gei­ge, Gitar­re, Man­do­li­ne, Block­flö­ten, Rah­men­trom­meln, Tab­la, Game­lan, Per­cus­sion und Gesang ver­bin­det Ger­not Blu­me mul­ti­kul­tu­rel­le Impro­vi­sa­ti­ons­tech­ni­ken mit einem eige­nen Kom­po­si­ti­ons­stil.

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Text und Foto­gra­fie von Klaus Mümp­fer – Mümp­fers Jazz­no­ti­zen

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