Kai and the Gang & Phoenix Foundation in Mainz, 25.02.2012

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer

Die Bassistin Vroni Frisch ist bei diesem Doppelkonzert von „Kai and the Gang“ und der „Phoenix-Foundation“ das verbindende Glied beider Formationen. Von ihr, dem ehemaligen Mitglied des rheinland-pfälzischen Jugendjazz-Orchesters, stammt die schönste Eigenkomposition des Abends. „Lightly“, eine Blues-Ballade mit spannenden rhythmischen Wechseln, einem fließenden und perlenden, impressionistisch wirkenden Keyboard-Solo von Winnie-Rimbach-Sator und einem vielschichtigen Schlagzeug-Spiel von Mathis Grossmann über einer stupend laufenden Basslinie zieht unter den fast ausschließlich eigenen Kompositionen des Quartetts die zahlreichen Zuhörer in der Mainz „Showbühne“ in Bann. Sänger Kai Werth besticht in einem Al-Jarreau-Song ebenso wie in „Fresh“ von der amerikanischen Soul-,Funk- und Disco-Band Kool and the Gang oder in seiner Soul-Komposition „Nimm Dein Leben in die Hand“ mit deutschem Text. Drivend und groovend sind die Kompositionen. Werth verfügt über eine ausdrucksstarke Stimme, ist sicher in der Phrasierung bei Gesang und beim Scatten. 

„Chart Hits im Bigband-Format“ nennt Frank Reichert, der Leiter der Phoenix-Foundation, das Programm mit Jazz- und Pop-Kompositionen aus sechs Jahrzehnten, das er übrigens für ein Gemeinschaftskonzert mit der US-Army-Band in Ramstein erarbeitet hat. Zwischen Duke Ellingtons Medium-Shuffle Blues „Feet Bone“ und Glenn Millers berühmtem „In The Mood“ präsentiert das Jugendjazzorchester Hits von den Beatles („Something), aus James Bond-Filmen, von Earth Wind & Fire („Getaway“), Chicago („25 or 6 to 4“), Weather Report („Birdland“),Michael Jacksons „Thriller“, Lady Gagas „Poker Face“ mit seiner leicht hüpfenden Rhythmik, das groovende „Funky Sea, Funky Dew“ von Michael Brecker sowie das elegische und getragene „Not to be forgotten“ von Pat Metheney mit seinen sanften und warmen Sounds. 

Die Phoenix-Foundation spielt mit der gewohnten Präzision in der Satzarbeit, den raffinierten Klangfarben, rhythmisch stets in „time“ und mit mitreißenden Soli vieler seiner Mitglieder. Die 20 jungen Jazz-Cracks beweisen an diesem Abend, dass sie über die eigentlichen Standards hinaus mit außergewöhnlichen Bigband-Arrangements auch im Rock und Pop sicher zuhause sind. Nach erfolgreichen Tourneen in China und Korea wird die Phoenix-Foundation im März 2012 beim „Essentially Ellington-Festival“ in Philadelphia gastieren. 

In Mainz ist das Doppelkonzert der Auftakt einer engeren Zusammenarbeit der Phoenix-Foundation mit der Musikhochschule der Universität. Mit dieser und weiteren Kooperationen will der Jazzbereich der Hochschule aus dem „Elfenbeinturm“ heraus treten. Ein Anfang ist mit den öffentlichen Konzerten im „Roten Saal der Hochschule bereits gemacht. Professor Sebastian Sternal eröffnet in einem weiteren Schritt am 26. April im Frankfurter Hof gemeinsam mit der Stadt eine neue Jazzreihe mit dem Arbeitstitel „Treffpunkt Jazz“, bei der sich die Jazzabteilung der Hochschule mit einer Dozenten-/Studenten-Band sowie beim anschließendem Open-Stage mit weiteren Musikern präsentieren kann. Konrad Georgi, Dozent für Jazzharmonielehre, könnte sich eine Jazz-Gourmet-Reihe in Verbindung mit einem Weingut vorstellen. Jazzfreunde werden diese Öffnung der akademischen Welt begrüßen.

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