Jazzopen Stuttgart 2006 – Jazzpages – Jazz in Deutschland / Germany

Trompeter im Höhenrausch

Am 23. August verstarb in Kalifornien der kanadische Jazztrompeter Maynard Ferguson im Alter von 78 Jahren. Er war dort wegen Nieren- und Leberproblemen in ein Krankenhaus eingeliefert worden und erlitt dann noch eine Infektion. Der Blechbläser machte sich besonders einen Namen als Höhenspezialist – wie zuvor schon beispielsweise Cat Anderson. Mit seiner „Big Bop Nouveau Band“ war Ferguson auch häufig in Europa zu hören.

Als erfahrener Entertainer galt Maynard Ferguson fürwahr, ein Trompeter im steten Höhenrausch. Äußerlich gab er geradezu eine barocke Figur ab, ein Kraftprotz, der gerne Spitzentöne erschallen ließ. Allerdings verbrauchten seine akrobatischen Aktionen viel Lippen- und Zungenkraft, und so währten seine bläserischen Einsätze relativ kurz und wurden mit einem in der Luft ausgeführten Trompeten-Looping oder einem erlösenden Urschrei abgeschlossen.

Etwas weicher stieß Ferguson dagegen ins weiter dimensionierte Flügelhorn. Fast hyperaktiv tänzelte er auf den Bühnen der Welt hin und her, hinter ihm bis ins hohe Alter eine rockend-swingender Klangkörper mit verblüffender Präzision. Samba, Flamenco, Blues, Beat, Fusion als auch Duke Ellington und Dizzy Gillespie dominierten stilistisch da seine Musik.

Die Trompetenkarriere des am 4. Mai 1928 in Montreal geborenen Trompeters begann schon in seiner Teenager-Zeit. Mit 13 Jahren trat er bereits als Solist im Radio auf, mit 17 gründete er seine eigene Big Band. Sein Handwerk perfektionierte er u.a. in den Orchestern von Count Basie, Stan Kenton, Charlie Barnett und Jimmy Dorsey.

Übrigens: Maynard Ferguson hat mir schon viele Schmerzen und Arztkosten erspart. In der der Vor-Walkman-Ära nahm ich zum neuen Zahnarzt einen klobigen Cassettenrecorder mit und ließ mir vom Band die allerhöchsten Ferguson-Trompeten in die Ohren dröhnen – eine willkommene Ablenkung vom schrillen Turbo-Bohrer. Schmerzfrei ohne Medizin, nur von der „Droge“ Musik subjektiv betäubt…

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