Fred Wesley & The New JBs in der Rüsselsheimer Jazzfabrik 15. April 2010


Foto: Mümpfer 

Der Bassist Marcus Miller hält Fred Wesley für den „funkiest tombone-player“. Beim Konzert mit seiner Band „New JBs“ in der Rüsselsheimer „Jazzfabrik“ wird der Posaunist diesem Ruf gerecht und macht zugleich auf seine Biografie aufmerksam, die unzertrennlich mit dem „Godfather of Soul“ James Brown verbunden ist. In dessen Schatten hat sich Wesley als Arrangeur und Posaunist entwickelt und später mit eigenen Gruppen freigespielt. Nun steht er wie ein massiger Fels auf der Bühne, hat seine Band mit der exzellenten Rhythm-Section sowie der fetzig-satten Bläserfront voll im Griff. Er leistet sich Späßchen mit dem neuen Tenorsaxophonisten Philip Wack, Zwiegespräche mit dem Pianisten Peter Madsen und präsentiert ein warm klingendes sowie zugleich kraftvolles Solo in dem „einzigen Liebeslied des Abends“, in „Love in L.A.“. Victor Wesley, Philip Wack und Gary Winters runden den Sound mit teils mehrstimmigen, teils Unisono-Passagen ab, während Madsen verspielte Läufe aus den Tasten perlen lässt und Gitarrist Reggie Ward filigrane Linien zupft. 
Ansonsten ist „House-Party“-Time und „Funk School“ (so zwei Stücke von Wesleys New JBs“) angesagt.

Präzise knallen die Bläsersätze, groovig treiben Schlagzeug und Bass das Spiel voran. Die Zuhörer klatschen und wippen mit den Füßen. Beide Sets des Konzertes beginnen mit jenen soulgetränkten Funk-Stücken, die Wesley so mitreißend beherrscht: „Chameleon“ und „Funk for your Ass“. Winters steigt mit Trompete- und später mit Flügelhorn gleißend in die High-Notes, Ward lässt die Gitarre in Glissandi heulen und Bassist Dwayne Dolphin erhält mehrfach die Gelegenheit auf seinem Instrument mit gitarrengleich flinken Melodieläufen oder erdig-trockenen Harmonievariationen die Zuhörer zu fesseln. Zweimal nutzt auch Drummer Bruce Cox in „For the elders“ und „Breaking Bred“ in ausgedehnten Solo-Intros die Chance für ein polyrhythmisches und metrisch vielschichtiges Spiel mit ständigen Wechseln von Becken und Trommeln.

Über dem groovigen Teppich besticht neben dem auch technisch raffinierten Wesley vor allem Saxophonist Wack mit einer expressiven und kraftvoll intensiven Bebop-Phrasierung. „Bop to the Boogie“ steht programmatisch für die typische Wesley-Funk-Mixtur aus Jazz und Soul. Immer wieder knallen die Bläser in ihren Tutti-Einwürfen zwischen die Soli, dann wiederum tänzeln die Musiker auf der Bühne zu den soulgefärbten Sounds und funky Rhythmen. In einem Stück beginnt die Band sogar geschmeidig zu swingen – wohl eine Erinnerung an jene Zeit, in der Wesley als Nachfolger von Earl Grey bei Count Basie die Lead-Posaune blies. Dann imrovisiert Wack ein lyrisches Solo auf dem Saxophon mit reichlich Vibrato bevor die Bläser das Thema in einem Tutti sanft verklingen lassen.

Endlos wiederholte simple Riffs gehen in die Beine, so dass Wesley schließlich das Publikum auffordert aufzustehen und nicht an den Sitzen zu kleben. Dass die Zuhörer bei den komplizierten, manchmal an Rap inspirierten Vokalnummern nicht immer mithalten können, stört den vitalen 67-jährigen Bandleader weniger. Auch nicht die begeisterten Zuhörer, die Zugaben erzwingen.

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