Duo „FrauContraBass“ im Kulturgut Bechtolsheim, 16. Januar 2015

Frau contra Bass - Photo: Klaus Muempfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer 

„Die unglücklichen Liebeslieder sind immer noch die schönsten“ sagt die Sängerin Katharina Debus und tritt auch gleich den Beweis an. Dank ihrer dramaturgisch geschickt eingesetzten Stimme und  ihrer emotionalen Ausdrucksfähigkeit wird der famose, melancholische Udo-Lindenberg Song „Ich lieb´ Dich überhaupt nicht mehr“ zu einem musikalischen Kleinod. Die Sängerin säuselt, flüstert, lässt die Stimme brechen und die Pausen klingen, während Hanns Höhn auf dem Kontrabass mit Akkorden und Single-Notes ihre Performance sensibel und fast minimalistisch zupfend kommentiert.

Zehn Jahre steht das Duo „FrauContraBass“ auf den Bühnen und wandelt auf der dritten CD durch die Gefilden des Great American Songbooks, einer Sammlung berühmter Standards aus dem Jazz, der Musicals und Pop-Songs. Dabei zeigt sich, dass das Duo weit mehr als eine Coverband ist. Sie bewahrt die Harmonien und Melodielinien der Originale, reduziert sie auf ihre Kernaussage und bereitet sie in einer unvergleichlichen eigenwilligen Interpretation so auf, dass die Neufassung das Original hin und wieder in den Schatten stellen kann.

Katharina Debus rotzt, schreit und näselt Elvis Presleys Kitsch-Hit vom „Heartbreak-Hotel“ in den dunklen Saal des Bechtolsheimer „Kulturgutes“ von Elke Diepenbeck und Roland Kalus. Sie widmet sich ebenso ironisch mit „Toxic“ der Sängerin Britney Spears. Nach ihrer satirischen Anmoderation hechelt, haucht und stöhnt die Sängerin, so wie sie in Atemstößen ächzt und hinreißend das Quängeln von Kindern in „Dat Dere“ interpretiert.

Die Kunst seines Spiels auf dem Kontrabass kostet Hanns Höhn in einem langen Solo von „Fever“ aus, das er mit einem glissandohaften Lauf und einem Knalleffekt abschließt. In der Begleitung seiner Partnerin nutzt Höhn die dramatische Wirkung ostinater Harmoniefiguren. Sein Spiel auf den Saiten unterstreicht er mit Klopfen und Reiben der rechten Hand auf dem Korpus des großen Instruments. Faszinierend ist seine Fähigkeit percussive Läufe einer Slap-Technik gleich mit Knalleffekten zu ergänzen.

Seine sensibel eingesetzten Läufe in wechselnden Tempi, mit Pausen, seine Ostinati  und Harmonie-Fortschreitungen runden die intensiven Liebeslieder wie Michel Legrands „The windmills of your mind“ oder das verhaltene „Moonlight in Vermont“ ab. Höhns rhythmisch dichtes Spiel verstärkt die Spannung bei Stevie Wonders „As if you red my mind“. Hier sei zu spüren, wie nahe man einem Menschen kommen kann, sagt die Sängerin in der charmanten Moderation.

In anderen Songs  wie im „Spooky“ scattet Debus, gurrt in Vokalisen, keucht in Atemstößen und kommuniziert mit Höhn im mitreißenden Ruf-Antwort-Spiel.

Das Publikum lässt sich von dieser Darbietung mitreißen und fordert Zugaben, die das Duo Debus/Höhn mit einer satirischen Theaterperformance von Thomas Dolbys „Key to her Ferrari“ und einem balladesk-gefühlvollen „Angel eyes“ erfüllt.