Drei Tenorsaxophonisten beim „Treffpunkt Jazz“ in Mainz, 14. März 2013

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer

Wenn die drei Tenorsaxophonisten Thomas Bachmann, Steffen Weber und Denis Gäbel kollektiv in ihre Hörner blasen, dann „kocht“ die Musik nahe am Siedepunkt. Sonny Stitts „Eternal Triangle“ mit seinen Rhythm Changes bietet sich mit treibendem Groove geradezu für das Finale des Konzertes der Reihe „Treffpunkt Jazz“ an, in dem „Die drei Tenöre“ zu einem Saxophon-Battle angetreten sind.

Es sei kein Wettkampf nach dem Motto „schneller, höher und heißer“ betont Initiator Professor Sebastian Sternal in seinen einleitenden Worten. Es geht an diesem Abend im überfüllten Frankfurter Hof vielmehr rarum, Instrumentalisten mit unterschiedlicher persönlicher Artikulation allein und gemeinsam die Ausdrucksformen des Tenorsaxophons im modernen Jazz demonstrieren zu lassen. Alle drei Künstler von inzwischen internationalem Ruf sind Dozenten an der Mainzer Hochschule für Musik.

Das Publikum hört die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten im Spiel der drei Musiker. Denis Gäbel, der etwas geschmeidigere Saxophonist besticht mit einer ins Ohr gehenden Melodieführung und den selbst in Stakkatoläufen cantablen Linien, Steffen Weber mit expressiverem und zielgerichtetem, aggressiverem Up-Tempo-Spiel, Thomas Bachmann mit sonorem Sound und eruptiven Improvisationen, die an die Grenze des Free-Jazz rühren, ohne je die Tradition aus den Augen zu verlieren. Darin gleicht er den beiden Partnern. Allen drei gemeinsam ist eine melodische, rhythmische und harmonische Kreativität, mit der sie den Komponisten ihrer Wahl, John Coltrane, Sonny Stift und Warne Marsh an diesem Abend gerecht werden. 


Thomas Bachmann

In der entspannenden und intimen Atmosphäre des eigens für das Konzert hergerichteten Saales widmen sich die Musiker den Giganten des Tenorsaxophons John Coltrane, Sonny Rollins und Warne Marsh. Unterstützt werden sie dabei von dem französischen Pianisten Jean-Yves Jung, dem Kontrabassisten Pavel Klimashevsky und dem Schlagzeuger Axel Pape. Besonders Jung ist mit sparsamen Akkordeinwürfen oder geschichteten Blockakkorden ein sensibler Begleiter sowie in rasenden und perlenden Läufen ein exzellenter Solist. Pape trommelt banddienlich und präzise in „time“, Klimashesky lässt den Kontrabass zumeist straight marschieren und zupft in den Soli harmonisch bestechende Linien.

Zwischen den Kompositionen liest Alexander Gelhausen Passagen aus Jack Kerouacs Roman „On the road“, das zu einem Kult und literarischen Wahrzeichen der Beat-Generation wurde. Kerouac wurde mit diesem, seinem zweiten Buch, zu einem Verkünder des Lebens vor dem Hintergrund Jazz, Poesie und Drogen.

John Coltrane hatte lange an seiner Komposition „Naima“ gearbeitet, bis er endlich „diese Hochspannung vibrierender Ruhe“ fand, die das Stück zu einer der schönsten Balladen der Post-Bebop-Ära werden ließ. Der Tenorsaxophonist Thomas Bachmann wagt sich mit einem unbegleiteten Solo an den legendären Song Coltranes. Dabei reduziert er das Original auf die Kernharmonien, und interpretiert er auf seinem Instrument getragene, leicht überblasene, sanfte bis schnelle und expressive Improvisationen. Insofern kommt er wiederum Coltranes seelenvollem Vortrag der Ballade nahe.

In einer Session nach dem Konzert der drei Tenoristen zeigen die Studenten der Musikhochschule mit Unterstützung der Dozenten, was sie in ihrem Studium erarbeitet und welch hohes Niveau sie erreicht haben.

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