Der Musikjournalist Rainer Köhl ist gestorben

Über jedes Lebenszeichen von Rainer Köhl freute man sich in den vergangenen Monaten. Es war kein Geheimnis, dass der Journalist aus Neckargemünd von mehreren Schlaganfällen gesundheitlich schwer angeschlagen war. Am 10. Juni aus diesem Grund also zunächst Freude, denn Rainer hatte zwei neue Fotos auf seinem Social Media Account veröffentlicht. Nach dem Aufruf die Ernüchterung: die Bilder waren nicht von ihm, seine Familie hatte sie als Nachricht für seine Freunde ins Netz gestellt – Rainer Köhl ist tot, er starb am 8. Juni 2019.

Ich kannte Rainer seit vielen Jahren und wir hätten uns auch gar nicht aus dem Weg gehen können: teilten wir doch die Begeisterung für improvisierte Musik. Gelegentlich fuhren wir nach Konzerten gemeinsam das Neckartal hinauf und konnten uns über Jazz und Vieles drumherum austauschen. Seine freundliche zugewandte Art, sein enormes Musikwissen und sein Humor werden mir in Erinnerung bleiben. Ebenso wie das alljährliche Stelldichein beim Jazzfestival Saalfelden.

Rainer Köhl war als Musikkritiker keineswegs nur in Sachen Jazz unterwegs, sondern weitaus vielseitiger interessiert. Klassik und neue Musik waren für ihn besonders wichtig – er förderte diese Musik sogar aktiv als Veranstalter – und seine einfühlsame und kenntnisreiche Einfühlung in die verschiedensten Genres zeichnete ihn aus. Er erhellte die Kunst für diejenigen die bei den Konzerten dabei waren und er konnte spielerisch lebhafte Bilder für die Daheimgeblieben entstehen lassen. Unter Musikern war seine Stimme sehr geschätzt und die Betroffenheit in der Musikgemeinde der Metropolregion Rhein-Neckar ist entsprechend groß.  

Rainer Köhls Geburtsort liegt in Rumänien, nach Deutschland kam er erst mit 14 Jahren. Die Grundlage für seine Arbeit legte ein Studium der Musikwissenschaft und der Germanistik in Heidelberg. Als Musikkritiker arbeitete er unter anderem für die Rheinpfalz und die Rhein-Neckar-Zeitung.  

„Musikkritiker“ ist für sein Engagement im Grunde ein zu negativer Begriff. Rainer Köhl war ein äußerst wohlwollender Beobachter und schreibender Interpret der besuchten Konzerte und der rezipierten Künstler. Verrisse waren von ihm ganz selten zu lesen, und wenn es doch einmal dazu kam, dann hatten diese ebenso „Hand und Fuß“ wie seine enthusiastischen Worte. Seine Begeisterung für Fotografie setzte er ganz natürlich auch in seiner Berichterstattung ein und erweiterte diese damit um optische Facetten.

Er fehlt seiner Familie und er fehlt der regionalen Musikszene an allen Ecken und Enden. Es ist ein Jammer, dass er uns so früh verlassen musste.

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