Das Massoud Godemann Trio im Rüsselsheimer Jazzcafé „das Rind“, 11. Oktober 2009

Ein gestrichenes Bass-Solo weckt Assoziationen an die europäische Romantik, die perlenden Gitarrenlinien und das sensibel flexible Schlagzeugspiel mit Besen und Sticks bleibt verwurzelt im Modern Swing. Der Begriff „kammermusikalischer Jazz“ wird oft klischeehaft missbraucht, doch für das Trio des persischstämmigen Hamburgers Massoud Godemann trifft die Bezeichnung voll und ganz zu. „Open range“ ist eine Komposition des Bandleaders, in der der Bassist Gerd Bauder in ein einfühlsames Zwiegespräch mit dem Gitarristen eintritt und später sein Instrument straight marschieren lässt. Bauder füllt seine Funktion als Pulsgeber des Trios voll aus, ist mit Harmonie-Variationen und manchmal fast gitarrenähnlichen schnellen Läufen kongenialer Partner Godemanns sowie zugleich mit der Rhythmisierung das Bindeglied zum Schlagzeuger Michael Pahlich.

Godemann ist ein Poet unter den Jazzgitarristen, ein Ästhet wie etwa Joe Pass. Seine filigranen Linien und die oftmals sparsam eingesetzten Singlenotes vor allem in den Intros und im Finale der an diesem Abend im Rüsselsheimer Jazzcafé „das Rind“ vorgetragenen Eigenkompositionen verraten ein Gespür für eine in sich logisch geschlossene Form. Das Spiel der drei Musiker lebt von Interaktionen, impressionistischen Klangfarben und eingängiger Melodiosität. In den meist von lyrischer Grundstimmung geprägten Kompositionen, aber auch in den schnelleren und groovenden Stücken bleibt Massoud Godemann stets stimmführend. A propos „Stimme“. Kaum ein Ton auf der Gitarre bleibt unkommentiert. Scattend begleitet er seine Läufe auf dem Instrument, färbt auf diese Weise den die Sounds des Trios und rundet den Klangkörper ab.

Schön wie „Aphrodite“, die Göttin der Liebe, ist die gleichnamige Kompostion, die Bauder mit einem gestrichenen Grundakkord einleitet, der in flirrendes Saitenspiel übergeht, bevor Godemann zum sanften Besenstrich Pahlichs kurze Singlenote-Linien einfügt, zu einem perlenden Lauf wechselt und zum Ausklang einen Ton vibrierend stehen lässt. Zu ostinaten Akkordgriffen auf dem Bass und sparsamem Spiel auf den Trommeln schraubt Godemann in „Je t´aime“ die Dynamik seines Saiten-Laufes bis zu fast unhörbaren, schwebenden Tonfolgen herab. Kontrastierend dazu hält es den Gitarristen im schnellen und groovenden „Kebop“ nicht auf dem Hocker. Bei einem von arabischer Klangfarbe geprägten Lauf windet sich Godemann wie ein Derwisch. Die Kompositionen illustrieren Geschichten aus dem Hamburger Umfeld der Musiker. Die Zuhörer genießen diese geschmeidige Musik des Trio, die dennoch nicht ganz auf Ecken und Kanten verzichtet und in der Kommunikation Raum für Überraschendes lässt.