Fabian Neubauer erhält den Kathrin-Preis 2027

Der Kathrin-Preis 2027 geht an den Multiinstrumentalisten und Improvisator Fabian Neubauer. Der in Wuppertal und Berlin lebende Musiker wird vom 6. bis 13. Juni 2027 für eine einwöchige Residenz nach Darmstadt kommen und dort an seinem Projekt FIELD CONDITION arbeiten. Die offizielle Preisverleihung ist für den 12. Juni im Rahmen eines Konzerts vorgesehen.

Fabian Neubauer - Photo: Katharina Geling
Fabian Neubauer – Photo: Katharina Geling

Mit dem Kathrin-Preis, der den vollständigen Namen „Kathrin Lemke Scholarship for Young Jazz Improvisers“ trägt, erinnert das Jazzinstitut Darmstadt an die 2016 verstorbene Saxophonistin Kathrin Lemke. Die in Heidelberg geborene Musikerin hatte sich in ihrer Arbeit intensiv mit der Entwicklung einer eigenen musikalischen Sprache beschäftigt. Der Preis soll jungen Musikern den Freiraum geben, eigene Projekte weiterzuentwickeln, neue Konstellationen auszuprobieren und künstlerische Ideen ohne den unmittelbaren Produktionsdruck des normalen Musikbetriebs zu verfolgen.

Jazzpages gehört neben dem Jazzinstitut Darmstadt, Kathrin Lemkes Mutter Irene Lemke-Stein, der Mannheimer DESTAG-Stiftung und der Zeitschrift JAZZTHETIK zu den Trägern der Auszeichnung. Der Kathrin-Preis wird im zweijährigen Rhythmus vergeben. Bisher erhielten ihn Joss Turnbull 2019, Luise Volkmann 2021, Robert Lucaciu 2023 und Steffi Narr 2025.

Fabian Neubauer, Jahrgang 1994, bewegt sich musikalisch zwischen freier Improvisation, Free Jazz, Noise, elektroakustischer Musik und Performance. Sein Instrumentarium reicht von Klavier, Schlagzeug und Gitarre bis zu Field Recordings, Samples und elektronischen Feedbacksystemen. Statt sich auf eine feste Besetzung oder eine klar abgegrenzte Rolle festzulegen, arbeitet er mit wechselnden Konfigurationen und verbindet akustische Instrumente mit elektronischen und performativen Mitteln.

Zu seinen bisherigen musikalischen Partnern zählen unter anderem Elliott Sharp, John Edwards, Caroline Kraabel, Kazuhisa Uchihashi, Mats Gustafsson, Michael Zerang, Phil Niblock, Gunda Gottschalk, Sebastian Gramss und Jan Klare. Neubauer spielte unter anderem beim Moers Festival und beim JOE Festival sowie in der Kölner Philharmonie und beim Fusion Festival. Daneben entstanden Arbeiten für Tanz- und Theaterproduktionen. Er ist außerdem Organist der Düsseldorfer Düsterboys und gemeinsam mit Bastian Buddenbrock an der Programmgestaltung des Wuppertaler Projektraums Solips beteiligt.

Für seine Darmstädter Residenz hat Neubauer FIELD CONDITION entwickelt. Das Projekt setzt weniger auf eine klassische Ensembleordnung als auf ein musikalisches Gefüge, in dem individuelle Entscheidungen, spontane Entwicklungen und nicht vollständig kontrollierbare Prozesse nebeneinander wirksam werden können. Instrumentale Improvisation trifft dabei auf Elektronik, algorithmische Verfahren, mechanische Abläufe und Field Recordings.

Kathrin-Lemke-Preis - Skulptur

Auch die Besetzung zeigt, wohin die Reise gehen soll. Neben Neubauer, der Elektronik, Field Recordings, Live-Sampling und Objekte einsetzt, gehören Carina Khorkhordina an der Trompete, Este Kirchhoff mit Mundharmonika, Banjo, E-Gitarre, Pure Data und Elektronik, Matthias Kaiser an präparierter und verstärkter Violine sowie Hanna Schörken mit Stimme zum Ensemble. Hinzu kommen Shuoxin Tan mit SuperCollider und Objekten, Bastian Buddenbrock mit digitalen Medien, Drucker, Sprache und Performance sowie Jun-Y Ciao an Saxophon und weiteren Rohrblattinstrumenten.

Damit erweitert sich der Begriff der Instrumentierung erheblich. Ein Drucker kann ebenso Teil des musikalischen Prozesses werden wie Trompete oder Violine, ein algorithmisches System ebenso wie die unmittelbare Reaktion eines Musikers. Neubauer interessiert dabei nicht die möglichst genaue Ausführung einer festgelegten Komposition. FIELD CONDITION soll vielmehr Bedingungen schaffen, unter denen Zufall, Abweichung und unterschiedliche individuelle Impulse aufeinander reagieren können.

Dahinter steht auch ein bestimmtes Verständnis von Jazz. Neubauer begreift ihn weniger als abgrenzbaren Stil denn als eine musikalische Praxis, in der Eigenständigkeit und kollektives Handeln immer wieder neu ausgehandelt werden. Experimentelle Methoden betrachtet er dabei nicht als Gegenentwurf zum Jazz, sondern als Teil seiner Geschichte und seiner Entwicklungsmöglichkeiten.

Während der Residenz soll deshalb auch das Archiv des Jazzinstituts Darmstadt eine Rolle spielen. Neubauer will die dort dokumentierte Jazzgeschichte in die Arbeit einbeziehen und mit der aktuellen musikalischen Praxis des Ensembles in Beziehung setzen. Recherche, Improvisation und die Entwicklung von FIELD CONDITION laufen damit während der Woche parallel.

Die Jury hob neben Neubauers künstlerischer Eigenständigkeit und seinem kuratorischen Engagement insbesondere die Verbindung instrumentaler, elektronischer, improvisatorischer und algorithmischer Verfahren hervor. Ausschlaggebend war demnach auch die Vielschichtigkeit des Projektentwurfs.

Neben Fabian Neubauer waren Clara Däubler aus Hannover, Vojta Drnek aus Berlin, Svetlana Marinchenko aus Berlin, Fama M’Boup aus Berlin, Camila Nebbia aus Berlin, Julia Sanjurjo aus Köln und Ludwig Wandinger aus Berlin für den Kathrin-Preis 2027 nominiert.

Die Residenz von Fabian Neubauer findet vom 6. bis 13. Juni 2027 in Darmstadt statt. Am 12. Juni wird der Kathrin-Preis 2027 im Rahmen des Abschlusskonzerts offiziell verliehen.

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