24. SWR-Blues-Festival in Lahnstein, 2.Oktober 2004

Jacques Berndorf hat nicht nur Eifel-Krimis geschrieben, in denen Jazz und Blues eine Rolle spielen. Der Schriftsteller spielte selbst Gitarre und Klarinette, seine Band zählte zur Schüler- und Studentenzeit zu den Local Heros in Mittelhessen.  Was lag also näher, als Berndorf eine Laudatio auf Louis Armstrong lesen zu lassen, jenen Musiker, der dem SWR-Preis „Blues-Louis“ den Namen lieh – eine Auszeichnung, die in diesem Jahr Tom Schröder ereilte, ohne den das Lahnsteiner Blues-Festival nicht wäre.

Jacques Berndorf hat also seine „Worte über Louis Armstrong“ vor der sensiblen Piano-Begleitung von Christian Willisohn mit dem Publikum des 24. Lahnsteiner Blues-Festivals geteilt, das sich der Rührung nicht erwehren konnte, als Lilian Boutté „What a wonderful world“ interpretierte.  Armstrong hatte das Lied schon 1967 für den „bitterbösen, zynischen und wunderbaren Film Good Morning Vietnam“ aufgenommen – doch erst 17 Jahre nach seinem Tod schoss es in die Charts.

Armstrong, Berndorf, Schröder – drei Namen im Zwischenspiel des Bluesfestivals, das den Bogen von „Christian Willisohn´s Southern Spirit“ über „Michael Burks Band“ bis zu „Georgie Fame & The Blue Flames“ spannte.

„We can make it“ stimmt Willisohn an und tut es mit seiner kraftvollen aufgerauten Reibeisenstimme zu den Blue-Notes. Flirrende Bläsersätze mit Trompete und Tenorsaxophon setzen Unisono-Akzente, das Piano leiht sich rollende Ostinati aus dem Boogie oder geht noch weiter zurück in die Ragtime-Zeit. Dazu mixen der Pianist und seine Band Gospel und Funk sowie Cajun und Creole – und eine Stimme, die intensiv und ausdrucksstark gerade im langsamen Blues fasziniert – Lilian Boutté. Ihr überschäumendes Temperament lebt sie in den kreolischen Rhythmen aus, bevor die Band im Finale den Sound der Hammond-Orgel und der Bläser mit einem Schuss Memphis-Soul abrundet.

Energetischer und treibender Big-City-Blues mit rasenden Glissandi-Läufen auf der Gitarre sowie durchdringendem Gesang sind das Zeichen von Michael Burks. Vor der groovenden Rhythmusgruppe führt Burks Zwiegespräche mit seinem Instrument, lässt er seine Talking-Guitar Geschichten erzählen. Sie schreit mit hart angerissenen Saiten auf, blubbert in Vibrati vor sich hin, jault in lang gezogenen Glissandi. Es ist die Zeit für die ersten „Yeah“-Lustschreie aus dem Publikum. „Talk me to my baby” singt Burks soul-satt, “One more chance” bittet er nach einer knappen Stunde und kommt dem Publikum zuvor, das frenetisch einige Zugaben erzwingt, die der Mann aus Arkansas mit einem kurz angespielten, hymnischen „Amazing grace“ abschließt.

Sein Superhit war die Musik „Bonny and Clyde“. An diesem späten Bluesabend in der Stadt an dem Fluss mit den „Blue Waves“ – so das Motto des Festivals – unternimmt der Brite Georgie Fame eine Zeitwanderung durch die Geschichte seiner musikalischen Erfolge, erinnert an die Legenden wie Ray Charles und John Hendricks. „The Burdee Song“mit dem kochenden Tenorsaxophon-Ausflug von Art Theman, das 1965 entstandene „Yeh, Yeh“, der „Cool cat Blues“ mit einem gleißenden Trompetensolo von Guy Barker in den High-Notes, „Singing Horn“ oder „Flamingo Allnighter“ bringen die Leute in der Halle endgültig zum Tanzen und zum rhythmischen Klatschen. „I´m still learning” kokettiert Fame mit dem Hinweis auf seinen Lehrer Hendricks. Niemand glaubt es ihm an diesem Abend, an dem der Perfektionist an der Hammond-Orgel sowie der gleichermaßen einschmeichelnden wie expressiven Timme mit den Blue Flames ein routiniertes Programm ohne den geringsten Makel abspult. So lässt sich das Publikum auf den „blue waves“ der Begeisterung in den frühen Morgen tragen.

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