Von Bayern in die Welt


Quadro Nuevo, Fotografie: Hans Kumpf 

Vom Weihnachtslebkuchen etwas absahnen, das wollen viele Musiker. Doch die eigentlich auf Tango spezialisierte Formation „Quadro Nuevo“ enthielt sich bei ihrem adventlichen Konzert in der barocken Hospitalkirche weitgehend peinlicher Trivialitäten. Die Bayern zeigten sich kosmopolitisch, eben weltmusikalisch.

Schwäbisch Hall. Erstmals war das Quartett 2008 beim vorösterlichen „Jazz-Art-Festival“ in Hall zu hören. Damals spielte in dem 1996 gegründeten Ensemble noch der Gitarrist Robert Wolf mit, der nach einem unverschuldeten Autounfall vor genau zwei Jahren nicht mehr auftreten kann. Seinen Platz im bestens eingespielten Team hat mittlerweile Evelyn Huber eingenommen – an Harfe und dem hackbrettähnlichen Salterio, dessen Saiten sowohl gezupft als auch geschlagen werden können. Doch mittels elektronischer Verstärkung der beiden Instrumente kam weder himmlische noch folkloristische Idylle auf. 

Dem befürchteten Klischee entging als Eröffnungsnummer die spezielle „Quadro Nuevo“-Version von „Maria durch ein’ Dornwald“ ging. Mulo Francel blies seine Klarinette auf Klezmer-Art, bevor Harfe, Kontrabass und Akkordeon quasi fugativ einsetzten und das Thema kontrapunktisch umspielten. Während Andreas Hinterseher seine Ziehharmonika hier noch etwas in Tango-Manier bediente, brachte er bei dem – von Sergej Rachmaninow bekannten – russischen Lied „Nyne Otpushchayeshi“ das Vibrandoneon, eine Weiterentwicklung der Melodica, mit fein dosierter Lungenpuste ins Schwingen. 

Nur instrumental vermengte „Quadro Nuevo“ drei Weihnachtshits – eine beabsichtigte Parodie. Bei „Vom Himmel hoch“ erklang ein glitzerndes Glockenspiel, die Harfe ließ den Schnee leise rieseln und die Klarinette intonierte „Süßer die Glocken nie klingen“. Die humorvollen Ansagen von Multiinstrumentalist Mulo Francel sorgten dazuhin für ausgelassene Stimmung.

Ernsthaft ging es dagegen bei der im 30jährigen Krieg entstandenen Weise „Die dunkle Nacht ist nun dahin“ zu. Da waren Tragik und Dramatik stets präsent. Variabel agierte Dietmar Lowka, der nicht nur die Saiten seines Kontrabasses zupfte und strich, sondern noch vielerlei Perkussionsinstrumente in dem ohne konventionelles Drumset auskommenden Quartett energisch traktierte.

Bei all den ausgefeilten Arrangements mangelte es an jazzig-improvisatiorischen Miteinander nicht. Da erinnerte Mulo Francel auf dem Tenorsaxofon mit Bossa Nova an den coolen Instrumentalkollegen Stan Getz. Mehr noch als die Einflüsse süd- und nordafrikanischer Musik prägten den Konzertabend in der ausverkauften Hospitalkirche mannigfache Tournee-Erinnerungen in den nahen und ferneren Osten – wo es zuweilen eine Welt ohne Weihnachten gibt. Variantenreich hier das Spiel von „Quadro Nuevo“: Orientalische Skalen, kantige Rhythmen, Rasanz, Psychedelisches.

Was zu erwarten war: Das mal wieder begeisterte Publikum verlangte mehrere Zugaben. Ein Erfolg für die Veranstalter, nämlich den „Konzertkreis Triangel“ und das städtische Kulturbüro.

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