Ulf Kleiner in Mainz beim Treffpunkt Jazz

Leona Berlin - Foto: Mümpfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer

Ulf Kleiner lässt mit der rechten Hand eine Single-Note-Linie aus den Tasten des  Flügels perlen, die er mit der linken auf dem Fender Rhodes durch flächige Sounds unterlegt. Der Pianist, Produzent und Dozent an der Musikhochschule der Universität Mainz pflegt in „Wonderboy“, einer Komposition Daniel Stelters, das Ruf-Antwort-Spiel mit dem Gitarristen. Dieser wiederum schafft mit seiner Konzentration auf die harmonische Grundgerüst und einer eigenständigen sowie unverwechselbaren Ästhetik einen transparenten Klangkosmos sowie durch Thema-Variationen Spannung.

Dieses Keyboard, ein elektromechanisches Musikinstrument, das von Harold Rhodes entwickelt wurde, war ursprünglich als transportabler Klavierersatz gedacht. Doch es setzte sich aufgrund seines neuen und völlig eigenständigen Klanges durch. Und Ulf Kleiner ist Fender Rhodes-Spezialist. Vom recht weichen, unverwechselbaren, glockenähnlichen Klang und der relativ großen Stimmstabilität des Instruments können sich bei der „Funk & Soul Jazz Night“ in der Mainzer Reihe „Treffpunkt Jazz“ die zahlreichen Zuhörer überzeugen.

Begleitet werden beim Konzert im Frankfurter Hof die beiden Musiker von Jean Philipe Wadle am E-Bass und Mario Garruccio am Schlagzeug. Der eine ein ökonomischer Saitenspieler, der andere ein timesicherer Rhythmusgeber, der auch bei komplexen Soli mit Druck agiert. Später präsentiert das Quartett die Sängerin Leona Berlin, eine Studentin der Musikhochschule, die mit kraftvoller und tragender Stimme sowie facettenreicher Modulation als Neo-Soul-Interpretin begeistert.

Ulf Kleiner leitet das Konzert mit einem sperrigen Solo auf dem Flügel ein, dem sich die hart akzentuierten Akkordfolgen des Gitarristen Stelter zugesellen. Die Musiker wechseln in „Slam“ nahtlos Tempo und Metrum. Vor einem fließenden Lauf Kleiners reißt Stelter gleißende Akkorde aus den Saiten seiner Gitarre. Mit „Krikel Krakel“, dem Titelstück der jüngsten Stelter-CD, frönen die vier Musiker dem groovenden Funk und Blues. Nahezu balladesk mit filigranem Spiel und reichlich Vibrato auf der Gitarre beginnt das folgende Stück, in dem der Schlagzeuger zu den Klöppeln greift und der Bassist sein Instrument gradlinig „marschieren“ lässt. Der „Nuclear Blues“ gibt Stelter die Möglichkeit, seine Gitarre mal mit angedeuteten Glissandi, mal in Fingerpicking-Melodielinien erklingen zu lassen, während Kleiner die angerissenen Saiten mit dem glockenreinen Sound seiner Fender Rhodes kommentiert.

„Rock with you“ ist ein Song von Michael Jackson aus dem Jahr 1979. Leona Berlin singt ihn kraftvoll und zugleich sensibel zur Begleitung des Gitarristen. Nahezu 20 Jahre jünger ist „Certainly“ von Erykah Badu, das die junge Sängerin in Mainz mit expressiver Ausdruckskraft interpretiert. Das Quartett und die Sängerin stehen mit ihren Eigenkompositionen zwar in der Tradition von Blues, Soul, Funk und Jazz, präsentieren ihre Stück aber in zeitgenössischer Form. Dies gilt vor allem für Daniel Stelters „“Where I´m going to be“ mit seinen Spannung erzeugenden, ostinaten Melodiefragmenten und dem leicht heiseren, Blues getränkten Gesang Leona Berlins. In seinen, die gleißenden Akkordfolgen der Gitarre kontrastierenden Einwürfen, dämpft Kleiner die offene Fender Rhodes mit der aufgelegten Hand. Die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse ist begeistert. „Dieser Pianist ist einfach phantastisch.  

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