Thomas Siffling Trio bei BlueNite in Worms, 20. Januar 2007

„Die Leichtigkeit des Seins“ nennt Thomas Siffling eine seiner Kompositionen auf der neuen CD „Kitchen Music“ – ein Titel, der das Spiel des 1972 in Karlsruhe geborenen und in Mannheim lebenden Trompeters treffend beschreibt, auch wenn sie selbst ganz schön heavy anfängt: mit tiefen Bass-Schritten und einem akzentuiert drängenden Schlagzeug, bevor Siffling mit einer samtenen und zugleich kraftvollen Flügelhorn-Linie einstimmt, über die Elektronik mit sich selbst im Duo spielt und einen Akkord in einer Schleife stehen lässt, der auch beim Solo des Bassisten Jens Loh mit dessen reizvollen harmonischen Wendungen stets den Hintergrund abrundet. Siffling bläst inzwischen auf dem Flügelhorn Phrasen, die an die Hochzeiten des Bebop erinnern, mit schnellen Attacken und leichtem Überblasen in den Höhen. 

Es ist die Leichtigkeit des Trompeten-/Flügelhorn-Spiels, das den baden-württembergischen Jazzpreisträger des Jahres 2005 aus der Reihe der vorzüglichen jungen deutschen Instrumentalisten hervorhebt. Ein Spiel, das ruhig, aber nicht melancholisch, sensibel, aber nicht sentimental, der Tradition verbunden, aber nicht museal ist. In diesem Spannungsfeld von Romantik und Experiment gleicht er dem Amerikaner Dave Douglas, den Siffling besonders mag. „Poesie“ wäre eine umfassende Bezeichnung.

In diesem ersten Konzert der Promotion-Tournee für die gerade einen Tag zuvor präsentierte CD „Kitchen Music“ herrscht trotz aller Elektronik die Stimmung zwischen Cool und Bebop vor. Da gibt es so ästhetisch zeitlose Stücke wie „Endlos“ mit einer getragenen Melodie über ostinaten Bass-Figuren und der Percussion auf der Riq, der türkischen Rahmentrommeln mit ihren Schellen. Die Läufe aus dem warm klingenden Flügelhorn sind gefühlvoll bis ins Vibrato oder assoziieren später im „Abendlied“ Folklore und Romantik. Andererseits gibt es schnelle und attackierende Läufe auf der Trompete im Powerplay-Spiel des Trios sowie mit Wechseln im Tempo und Sprüngen in der Dynamik wie in „The energy of a small woman“. 

Die Freunde der Jazzinitiative BlueNite kommen an diesem Abend im Café Schmitz in den Genuss eines extensiven Experiments. „Rest in Space“ hebt mit einem wahrhaft spacigen Trio-Sound an, Loh streicht den Bass mit Bogen und Markus Faller lässt das Schlagzeug pulsieren. Nach einem akustischen Mittelteil mit einem straight marschierenden Bass schöpft Siffling die Möglichkeiten der Elektronik aus. Seine mit Hall angereicherten Trompetenläufe liegen über präzise eingespielten Loops vorangegangener Melodiefragmente, der Bass nähert sich in der Verfremdung dem Sound eines Keyboards, extreme Dynamiksprünge bauen Spannungsbögen und lösen sie wieder auf. „Es hat geklappt“ freut sich Thomas Siffling nach dem gelungenen Stück. Ich hätte gerne mehr solcher Soundtüfteleien gehört.

Noch geht der Trompeter sparsam mit der umfangreich zur Verfügung stehenden Elektronik und dem freien akustischen Spiel um. Losgelöst vom herkömmlichen Harmoniengerüst sind die Flügelhorn-Fragmente vor allem in „Entspannung im Dampfbad“ nach einer Intro auf dem gestrichenen Bass und zur Besenarbeit auf den Trommeln. Dann wechselt Siffling zu einem samtenen, fast cool wirkenden melodischen Lauf, der elektronisch unterstützt, sich zu einem schwebenden Sound verdichtet und mit ein paar Single-Notes über dieser Elektronik ausklingt.

„Ich möchte an meinem Klang erkannt werden“ hat Siffling einmal geäußert. Das ist ihm in relativ kurzer Zeit gelungen. Sein Spiel wie seine Kompositionen zeugen von Reife. Lyrik wird kraftvoll entgrenzt, energetische Verdichtungen in Schwebestände aufgelöst. Das Trio ist raumhaft aufeinander eingespielt. „Kitchen Music ist inzwischen von einer Phono-Fachzeitschrift zur CD des Monats gekürt worden. Dass Thomas Siffling zudem als charmanter, einfallsreicher und humorvoller Moderator seiner Stücke auf der Bühne steht, macht ihn nur noch sympathischer.