Thomas Siffling: ein Wortwechsel zu Enjoy Jazz und JAZZ’n’ARTS

Der Mannheimer Trompeter Thomas Siffling tritt bei Enjoy Jazz 2011 ein einer Doppelfunktion als Trompeter und als Chef seines Labels JAZZ’n’ARTS in Erscheinung. Ein kurzer Wortwechsel zu den anstehenden Konzerten und weiteren Plänen…

Thomas Siffling - Photo: Frank Schindelbeck….welche Rolle liegt dir eigentlich mehr: „sensibler Trompetenkünstler“ oder „knallharter Manager“ des mittelständischen Plattenlabels JAZZ’n’ARTS?

Beides :-) Ich identifiziere mich mit beiden Rollen sehr und kann mittlerweile auch sehr gut dazwischen trennen.Morgens wenn ich im Proberaum sitze und übe oder wenn ich beim Gig oder auf einer Probe bin, dann bin ich der Trompeter und freue mich dass ich das Glück habe Musik machen zu dürfen die mir Spass macht. Wenn ich ins Office gehe lege ich den Musikermantel ab und schlüpfe in die Business Rolle in der man anders denken und arbeiten muss. Genießen tue ich aber beides sehr. ich will keine Rolle mehr missen und es hat mein Leben absolut bereichert beide Seite ausführen zu dürfen.

Du bist wieder mit zwei JAZZ’n’ARTS Nights mit deinem Label und als Musiker im Duo mit Claus Boesser-Ferarri bei Enjoy Jazz vertreten. Diese Veranstaltung in der Alten Feuerwache Mannheim wird langsam zur Institution bei Enjoy Jazz?!

Das wäre sicherlich toll und erstrebenswert wenn wir das zu einer Institution werden lassen könnten aber das muss Festivalleiter Rainer Kern entscheiden. Es hat wieder gut gepasst dieses Jahr und Rainer war sofort mit beiden Konzerten einverstanden und so sind aus den normalen JAZZ´n´ARTS Nights eben die Enjoy JAZZ´n´ARTS Nights geworden. Ein nicht unwesentlicher Bestandteil ist hier natürlich auch mein Sponsor das Städtische Leihamt Mannheim (Jürgen Rackwitz), das seit 2 Jahren alle unsere JAZZ´n´ARTS Nights unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Vor kurzem war das Thomas Siffling Trio in Moskau, das kommende Konzert in der Alten Feuerwache ist dagegen ein „Heimspiel“ – wird das eher ein „hier spiele ich vor Freunden“-Gefühl oder ist das Lampenfieber vor heimischer Kulisse sogar eher etwas größer?

Ja, wir waren mit dem Trio in Novosibirsk auf dem Sib Jazz Festival und hatten großen Erfolg dort. Sicherlich ist es was anderes in seiner Heimatstadt zu spielen und da ist man dann doch ein wenig mehr aufgeregt als im Ausland oder anderorts in Deutschland.

Interessanterweise kann man dich wieder in einem Duo-Projekt hören (im vergangenen Jahr mit dem Pianisten Daniel Prandl) und mit Lorenz Raab ist ein Musiker aus dem „JAZZ’n’ARTS-Pool“ dabei, der ebenfalls bereits im vergangenen Jahr mit einer anderen Form auf der EJ-Bühne stand – ein den aktuellen Veröffentlichungen geschuldeter Zufall oder Teil der Enjoy Jazz Strategie, Künstler über mehrere Jahre in ihrer Entwicklung zu beobachten?

Das ist nur Zufall und hat nichts mit Strategie zu tun. Sicherlich liegt es auch in unserem Interesse mit Künstlern längerfristig zusammen zu arbeiten und somit auch die Entwicklung mit zu beobachten. Insofern wird der ein oder andere sicher mal wieder bei Enjoy Jazz auftauchen. Daniel Prandl wird nächstes Jahr seine erste CD als Leader bei uns veröffentlichen und wer weiß vielleicht spielt er ja nächstes Jahr bei Enjoy Jazz :-)

Nach dem Piano-Duo mit Daniel Prandl vom vergangen Jahr hast du mit Claus Boesser-Ferrari vor kurzem die CD „Duologix“ heraus gebracht. Kann man die beiden Projekte miteinander vergleichen?

Absolut überhaupt nicht. Das Duo mit Daniel war eine Konzeptplatte mit Schwerpunkt Balladen und im doch deutlich traditionellem Stil gehalten. Das Projekt mit Claus ist viel freier und spontaner und Situationsabhängiger. Wir haben zwar auch feste Formen aber doch sehr sehr viel gegenseitigen Interpretationsspielraum, was das Ganze wirklich sehr spannend und unberechenbar macht. Die Zusammenarbeit mit Claus ist speziell und sehr inspirierend für mich. Da er eben aus einer ganz anderen musikalischen Richtung wie ich kommt müssen wir uns beide auf einander zubewegen. Ich muss freier denken und Claus muss sich ein wenig zügeln und heraus kommt dann eine wirklich sehr einzigartige Mischung

Was ist der besondere Reiz von Duoformationen?

Die Transparenz wobei ich diese ja auch in meiner Trioformation habe. Sicherlich spielt die musikalische Intimität der zwei Partner eine ganz besondere Rolle.

Lorenz Raab bringt mit seiner :xy Band eine ausgesprochen spannende Truppe in die Feuerwache – ein interessanter musikalischer Mix, gar nicht einfach zu beschreiben.… kannst du es bitte versuchen? 

Trash Jazz! Eine super Truppe mit Zitter, 2 Bässen, Drums und natürlich Lorenz an der Trompeter. Ein wirklich ganz außergewöhnlicher Trompeter.Sicherlich ein Konzert für Fans des etwas ausgefalleneren Jazz. Live ein absolutes Highlight!

Magst du potentiellen Konzert-Besuchern noch eine der kommenden Enjoy Jazz Veranstaltungen besonders ans Herz legen? Abgesehen von den „JAZZ’n’ARTS Nights“ natürlich…

Das ist schwer da jemanden heraus zu deuten. Generell hat es Rainer Kern wieder geschafft ein wunderbares Programm auf die Beine zu stellen.Vielleicht als einziges eine Premiere bei Enjoy Jazz. Die Jubiläumsperformance des Kevin O´Day Ballets am 12.11. im Nationaltheater Mannheim mit einer wirklichen Mannheimer All Star Formation. 

Gibt es jetzt schon Pläne für das kommende Jahr, vielleicht sogar für Enjoy Jazz 2012?

Ja wir sind natürlich schon sehr weit in unseren Plänen für 2012. Im Januar wird die aufstrebende Saxophonistin Alexandra Lehmler Ihre neue CD „No Blah Blah bei uns veröffentlichen und im Februar Ihre JAZZ´n´ARTS Night in der Feuerwache haben. Im April veröffentlichen wir die Neue CD des Zuerich Jazz Orchestras. Im Juni, wie schon erwähnt, kommt dann Daniel Prandl mit seinem Erstlingswerk. Es geht also weiter…

Thomas Siffling & Claus Boesser-Ferrari bei Enjoy Jazz am 28.10.2011

Aktuelle CD bei Enjoy Jazz: Duologix 

Lorenz Raab :xy Band bei Enjoy Jazz am 29.10.2011
Aktuelle CD bei Enjoy Jazz:  Hyperdrive