Stephanie Neigel Quartett beim Jazzclub Rheinhessen in Monsheim, 9. September 2006

Auf der Bühne steht eine zierliche junge Frau. Ihre Stimme trägt weit über den gut besetzten Innenhof der Anhäuser Mühle in Monsheim und der Zuhörer fragt sich, woher dieses Persönchen die Kraft für den lang angehaltenen Schlussakkord des „Stormy Monday Blues“ nimmt – eine Stimme, die zudem das Finale von Gitarre, Bass und Schlagzeug übertönt. Stephanie Neigel zeigt sich zum Schluss des Konzertes nochmals als das, was man eine „Blues-Röhre“ nennt, aber sie phrasiert auch sicher und sensibel über Jazz-Standards wie „Goodbye Pork Pie Hat“, eine Komposition, die der expressive Bassist Charles Mingus dem sanft und cool improvisierenden Tenorsaxophonisten Lester Young gewidmet hat. Passend dazu lässt Jörg Teichert die Gitarre in lang gezogenen Glissandi jaulen, zupft sie aber auch in ziselierten Linien.

Das Repertoire der Sängerin Stephanie Neigel, einer Nichte von Jule Neigel, ist breit gefächert. In bester Folk-Tradition steht ihre Komposition „Part of the universe“, die sie sanft und einfühlsam zur begleitenden akustischen Gitarre vorträgt. „Angel eyes“ singt Neigel im Duo mit dem Bass von Christian Kussmann. Raffiniert setzt die junge Sängerin ihre Stimme mit Schleiftönen sowie Vibrato in „Above ground“ ein, bevor die gut eingespielte Band mit Teichert, Kussmann und dem Schlagzeuger Philipp Schwabe im Fünf-Viertel-Takt zum vermeintlichen „Take Five“ ansetzt, das sich dann schnell und nahtlos in Gershwins „Summertime“ verwandelt. Der Gitarrist besticht mit einem filigranen Gitarrensolo, Neigel scattet zwischendurch genresicher.

Weniger gelungen ist der Übergang von „Habanera“ zu Handy´s „Saint Louis Blues“, der wiederum mit einwandfreien Wechseln in Tempo und Metrum bewältigt wird. Kussmann zupft seinen Bass in einem Solo mit der Geschmeidigkeit einer Gitarre. Konzertant wiederum spielt Teichert die akustische Gitarre in einer jener eindrucksvollen Kompositionen Neigels, der langsamen Ballade „Over and out“ und ebenso sensibel trägt das Trio von Stimme, Gitarre und Bass am Bühnenrand „You don´t know, what love is“ vor. Mit elektronischen Loop-Schleifen experimentiert die Sängerin in einer vokalen Intro zur „Route 66“ und verfällt wie bekanntere Kolleginnen der Versuchung, das Publikum mit Mitsingen zu bewegen. Das kann an einem kühlen Spätsommerabend gelingen, meist aber ist es eher stimmungshemmend als –fördernd. Da versöhnt es, dass die talentierte Künstlerin mit lasziver Intonation den erdig-trockenen Blues „Some as you“ anstimmt, bevor sie schließlich zu „I just wanna live“, einer weiteren Eigenkomposition wechselt, die die Bandbreite Neigels nicht nur als Sängerin, sondern auch als Komponistin belegt.

Ein Musette „Vacances en France“ im Duo von Gitarre und Bass bleibt zwar als netter Gag in der Erinnerung an das Konzert hängen, fällt aber ein wenig aus dem Rahmen. Das Stephanie Neigel-Quartett hätte es nicht nötig, seine Vielseitigkeit so zu beweisen. Die hervorragend eingespielte Truppe aus Sängerin und exzellenten Instrumentalisten gefällt am besten bei Interpretationen von modernem Jazz und stampfendem Blues.

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