Nighthawks, Klein-Winternheim, Jazz in der Garage, 8. September 2007

Rotlicht verbirgt die kahlen Wände der Autowerkstatt, grelle Lichtfinger aus kleinen Scheinwerfern stechen ins zigarettenrauchgeschwängerte Dunkel. Auf der Bühne schälen sich aus dem Soundteppich des Rhodes-Pianos ein paar verschmierte Gitarrenakkorde und die ostinate Bass-Figur vor dem Beat des Schlagzeugs. Aus der verhaltenen Einleitung von „Secret Loveliness“ entwickelt sich ein groovender Bandsound mit dynamischen Steigerungen, drängender Intensität und weitem Spannungsbogen, der in ein Orgel-Finale auf der Hammond mündet. Und über allem schwebt der hohe, energische und zugleich warme Ton der gestopften Trompete. Die „Nighthawks“ kamen auf Einladung der Kulturinitiative Klein-Winternheim und nehmen beim „Jazz in der Garage“ des Kfz-Betriebes Kilicaslan das Publikum vom ersten Akkord an gefangen. 

Die Kultband des Nu- oder Lounge-Jazz, der Dancefloor-Music – oder wie man es sonst nennen will – um den Bassisten Dal Martino und den Trompeter Reiner Winterschladen, den Schlagzeuger Thomas Alkier, den Organisten und Conga-Spieler Jürgen Dahmen, den Gitarristen Markus Wienstroer und den Keyboarder Oliver Jäger sind zum zweiten Mal in der Rheinhessen-Gemeinde und können sich auf ihre treue Fan-Gemeinde verlassen. „Nighthawks“ sind – wie auf dem namengebenden Gemälde von Edward Hopper zu sehen ist, Menschen, die die Nacht zum Tag machen. Kein Wunder also, dass die Zuhörer selbst kurz vor Mitternacht die Musiker noch immer frenetisch feiern.

Vorangegangen ist ein fast dreistündiges Konzert mit hart groovender und zugleich melodiöser Mixtur aus Jazz und Rock, Punk und Funk, House sowie Drum&Bass, Techno und Disco, aus vorgefertigten Samples und Live-Improvisationen. Mit Klangspielereien gefüllt ist die Ballade „Back, where I belong“ aus der Feder des polnischen Pianisten Vladimir Sendecki, mit einem getragenen Trompeten-Solo. Stechend und gleißend klingt das Instrument dagegen in dem schnellen „Casino“. Lyrisch wiederum bläst Winterschladen das weich klingende Flügelhorn in „Jetlag“ vor einem verzweigten, fast filigranen Gitarrenausflug Wienstroers – mal ergibt er sich High-Speed-Läufen, mal zupft er psychedelisch wie bei Pink-Floyd, dann wieder jazzig-perlend. Das pulsierende „Motorcycle“ ist eines der Paradestücke der „Nighthawks“ mit einer ausgedehnten Passage ohne Bläser, virtuosen, glänzenden Gitarrenglissandi, motorisch die Rhythmusgruppe mit stupendem Beat und einem Finale mit schneidendem Trompetenton. „Norways“ wird neu aufgelegt mit Trompetenlinien bis in die High-Notes, bevor das Stück flirrend ausklingt, schwellende Orgelsounds bestimmen die „Hard nights day“. Alkier erhält an diesem Abend Gelegenheit zu einem Percussions-Battle mit Dahmens Congas und einem ausgiebigen variationenreichen, melodiösen Schlagzeugsolo mit durchlaufendem Metrum. Dal Martino schließlich versucht sich im Sprechgesang á la Tom Waits oder Leonard Cohen.

Drei Stunden lang halten die „Nighthawks“ die Zuhörer in ständiger Bewegung. Zum Tanzen reicht der Platz nicht, so dicht gedrängt stehen die Fans in der Halle, doch sie wippen und winden und biegen sich im Puls der Musik. „Da muss man einfach mitmachen“, sagt eine nicht mehr ganz junge Frau und spricht wohl allen aus dem Herzen