Missionare mit munterer Musik


Alle Photos auf dieser Seite: Hans Kumpf 

Nach drei Jahren gastierte „Entzücklika“ wieder in Schwäbisch Hall. Eingeladen wurde das in variabler Besetzung auftretende Ensemble von der Katholischen Kirchengemeinde Steinbach. Zu erleben war in der Stiftskirche der Großcomburg das nahezu zweistündige Programm „Nacht-Wandler: Abendgesänge“.

Schwäbisch Hall-Steinbach.- „Entzücklika ist eigentlich pflegeleicht. Uns genügen 2-3 Steckdosen, etwas Mineralwasser, eine 15 Grad warme Kirche, 150 Minuten Zeit zum Aufbau, 60 Minuten Zeit zum Abbau; funktionierende und geöffnete Toiletten, eine Zufahrt zur Kirche und ggf. eine Parkgenehmigung.“ So steht es im professionellen Internetauftritt der in Obermarchtal beheimateten Gruppe. Als Postadresse wird „Klosteranlage 7“ angeben. Nunmehr ist in dem Städtchen im Alb-Donau-Kreis die Kirchliche Akademie für Lehrerfortbildung der Diözese Stuttgart-Rottenburg angesiedelt.

Eine angenehme Kühle herrschte nun an dem schwülen Sommersonntagabend in der Stiftskirche St. Nikolaus. Technisch und organisatorisch perfekt geriet diese Art von Klerikal-Show allemal. Dominiert wird „Entzücklika“ von dem umtriebigen Liedermacher, Arrangeur. Pianist und Tenor Alexander Bayer. Nicht etwa auf der Kirchenorgel musizierte er nun, sondern unter dem mächtigen Radleuchter auf dem transportablen Yamaha-Keyboard mit Klavier-Klang. Sein Vokalorgan reichte vom hohen Falsett bis zu baritonalen Tiefen, und neben christlichen Textbotschaften legte er auch jazzig wortlose Scat-Vokalisen ein.

Die Sopranstimme von Maria Sailer erinnerte keinesfalls an Konzert- oder Operngesang als an das „spitzige“ Timbre des nicht vom Dauerglück gesegneten Schlagersternchens Michelle („Wo Liebe lebt“). Mit Altstimme und primär mit Blockflöten in diversen Registern bewährte sich Katja Imsel. Eher im Hintergrund an Gitarren agierte Ulrich Weber, der freilich wiederholt das Keyboard als Solist und Begleiter übernahm.

Während bei evangelischen Kirchtagen musikalisch vielfach kantige Synkopen vorherrschen, inszeniert Katholik Bayer seine Musik lieber weich, gefällig und rund. Triolische Figuren mit ihrem Vorwärtsdrang sorgen da für Heiterkeit und Gelassenheit. Seine – meist mit Akkordbrechungen durchsetzten – Klavierbegleitungen orientieren sich offenbar an Konstantin Wecker und Herbert Grönemeyer.

Der 1964 in Lauffen am Neckar geborene Diplomtheologe Alexander Bayer erzählte so frohgelaunt wie schwäbelnd auch über seine Verehrung von Papst Johannes XXIII, der mit dem 2. Vatikanischen Konzil und seiner Enzyklika „Ad Petri Cathedram“ (1959) für mehr Toleranz und Weltoffenheit eintreten wollte.

Äußerst aktuell erschien jetzt der mit „blue notes“ angereicherte Song mit dem auffordernden Slogan „Ein bisschen früh aufstehn“ die Zeile „Der Kurs bricht ein, der Tag bricht an“. Neuerdings hat Bayer auch Lieder des irischen Priesters Liam Lawton eingedeutscht, und dessen „Dankt dem Herrn“ kam nun rhythmisch lebhaft im Karibik-Sound daher.

Bei den Instrumentals zwischen den nicht unbedingt bekannten Kirchenschlagern, die von der versammelten Gemeinde zuweilen nur zaghaft und zögerlich mitgesungen wurden, stach besonders „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ hervor. Die von Philipp Nicolai (1556-1608) geschaffene Weise wurde von Pianist Bayer und der Multi-Flötistin Katja Imsel als Variationssatz virtuos modern und historisch-barockal aufgemischt.

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