Marilyn Mazur mit „Percussion Paradise“ im Frankfurter Hof in Mainz, 6. April 2003

Mit „Five women drumming“ lockt Marilyn Mazur´s „Percussion Paradise“ die Fans der Schlagwerk-Kunst. Doch der Einmarsch der fünf Ladies bereitet die Zuhörer darauf vor, dass sie im Verlauf des Konzerts mehr erwarten dürfen, als die Teilung der Zeit in Rhythmus und Metrum. „Five women drumming“ ist ein Gesamtkunstwerk aus vielfältigster Percussion, vokaler Akrobatik und harmonischer Choreografie.

Marilyn Mazur selbst hat es bereits in früheren und in gegenwärtig anderen Formationen nie hinter ihrem Percussionsinstrumentarium gehalten. Stets ist ihr Körper in tänzerischer Bewegung, nutzt sie die Bühne, um die Rhythmusfiguren körperlich zu untermalen. Wie Mazur ist auch die Musik stets im Bewegung. Selbst in den leisen und sanften Balladen, den nordischen Kantilenen, den gehauchten und gezeufzten Vokalisen der Sängerin Josefine Cronholm findet die musikalische Wellenbewegung keine Ruhe.

Schon der Anblick der ungezählten Percussionsinstrumente fasziniert. Glocken und Glöckchen, Holzrasseln, tibetanische Gongs, Becken, Trommeln, Congas, Basstrommel, Snares, Holztrommeln, Becken und Triangel – und die Aufzählung kann dennoch nicht vollständig sein. Ganz abgesehen davon, dass Mazur die Klangfarben des Balafons (eines hölzernen Xylophons mit Resonanzkörpern aus Flaschenkürbis) und des Tonkruges liebt, deren warme irdene Färbung so passend die afrikanischen und asiatischen Stimmungen viele ihrer Kompositionen unterstreicht. So umfassend wie das Instrumentarium ist auch die Mixtur der Stile. Jazzphrasen und –strukturen stehen neben afrikanischer Folklore, nordische Lieder neben fernöstlicher Exotik, komplexe Polyrhythmik neben schlichter Volksliedmelodik.

Für diese aufregende Performance hat die dänische Schlagwerkerin ebenbürtige Mitspielerinnen gewonnen. Lisbeth Diers, die den Congas mehr rhythmisches Feuer entlockt als manche afrokubanische Gruppe, Birgit Lokke, die ebenso intensiv auf die Pauke haut wie sie sensibel mit den Fingerspitzen die schwimmenden Tonkugeln klopft, und Benita Haastrup, die den Glocken und Gongs fernöstliche Reize entlockt. Stets tanzend und mit ihrer Stimme präsent im Vordergrund ist Josefine Cronholm, die mal in den höchsten Tönen jubiliert, aus tiefstem Herzen stöhnt, die scattet und schreit, schnalzt und pfeift – ihren Kehlkopf zum Percussionsinstrument werden lässt.

Gerade hat „Percussion Paradise“ mit rhythmischen Trommelwirbeln in „Stafet/Relay“ Assoziationen an afrikanische Tänze geweckt, da stockt der Fluss. Die Musikerinnen verharren wie erstarrt. Tanz und Choreografie sind wesentliche Bestandteile der Performance. Manch einer mag in Erinnerung an die parallel bestehende Gruppe „Future Song“ die Klangfarben des Saxophons – vielleicht auch des Basses und der Gitarre – vermissen. Dennoch kann auch „Percussion Paradise“ als reines Percussions-Vokal-Ensemble bestehen.