Jazz-Kultur hinter Klostermauern

SCHWÄBISCH HALL. Inzwischen gelangt der regelmäßige Jazz auf der Haller Comburg zur beständigen und beliebten Einrichtung. Gäste sind hier Pädagogen, die auf der vom Benediktinerkloster zur Lehrerfortbildungsakademie gewandelten Burganlage weilen als auch Interessierte aus dem Umland. Insgesamt ein konzentriert lauschendes Publikum, welches sich gerne begeistern lässt. Zum Konzept der viele Genres umfassenden Konzertreihe gehört es, dass die um 19.30 Uhr beginnenden Konzert lediglich eine Stunde dauern – damit wird künstlerische Kompaktheit gewährleistet; außerdem erleidet die Aufnahmebereitschaft der Rezipienten keine Überforderung. Schließlich finden die Veranstaltungen noch bei freiem Eintritt statt, allerdings fällt das Honorar für die Musiker recht bescheiden aus. Aber Geld spielt in dieser feinen Umgebung weniger eine Rolle.

Dies war jetzt der Fall bei Frieder Berlin, der einer breiteren Öffentlichkeit als Jazz-Redakteur des alten Süddeutschen Rundfunks bekannt ist. Vor einem Vierteljahrhundert griff Berlin bei der von Erwin Lehn betreuten Big Band der Stuttgarter Musikhochschule in die Flügeltasten, und Lehns Postulat nach Kultiviertheit, setzt der Pianist nunmehr auch in der kleinen Combo um. Kammermusikalische Subtilität und organisiertes Vorgehen allenthalben. Bassist Hansi Schuller überzeugt durch klare Linien und schlanken Ton, Schlagzeuger Peter Schmidt agiert dezent und vollführt überwiegend differenzierte Besenarbeit.

Der stets dominierende Bandleader Frieder Berlin ergeht sich oft in von George Shearing popularisierten Blockakkorden, lässt aber auch den progressiven Pianisten Lennie Tristano durchhören. Insgesamt moderner Mainstream, durchtränkt von Blues, Soul und Latin-Rhythmen. Mit dem „Blues for Lennie“ und „Soul Fingers“ präsentierte Berlin programmatisch vollendete Eigenkomposition. Die Balladen „My Funny Valentine“ und „My Romance“ versah er mit klassisch-romantischen Bassfigurenwendungen und mit fugativen sowie kontrapunktischen Linien.

Dass George Gershwin ein unerschöpflicher Lieferant von improvisationsanregenden Jazzstandards ist, wurde beim Konzert im Kaisersaal aufs Neue bewiesen. Der nächste Termin des Frieder-Berlin-Trios auf der Comburg im Schwäbisch Haller Ortsteil Steinbach steht bereits fest: der 9. Oktober 2001.

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