Gero Hensels „Oreg Cericco Ensemble“ mit Balkan Jazz in der Musikhochschule Mainz, 19. Juli 2012

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer

Die traditionelle Musik aus Bosnien Herzegowina, der Heimat des Trompeters Dusko Goykovich (Gojkovic) mit ihren verzierten Melodien basiert stimmungsmäßig wesentlich auf orientalischen Tonleitern und alterierten Akkorden, die auch in der Improvisation des Jazz üblich sind. So hat der Trompeter die Musik seiner Heimat in den modernen Jazz einfließen lassen.

„Oreg Cerrico Ensemble – Balkan-Jazz“ nennt der an der Musikhochschule Mainz studierende Trompeter Gero Hensel seine Formation und ein Forum-Konzert. Mit Bearbeitungen von Goykovich-Kompositionen kommen er und seine Mitspieler dem Titel der Veranstaltung denn auch am nächsten. Ostinate Figuren in einer Einleitung und in Soli des Bassisten Bastian Weinig sowie des Pianisten Manuel Seng unterstreichen die Stimmung. Die Mehrstimmigkeit der Duos von Altsaxophon und Trompeter oder Trompete und Scat-Gesang assoziieren die Grundlagen der Balkan-Tradition. Ansonsten aber überwiegen Spielweisen und Sounds des modernen europäischen Jazz. 

„Ich möchte spüren lassen, woher ich komme – nämlich aus dem Jazz“, sagt Hensel vor dem Konzert. Seine Hinwendung zur Musik vom Balkan und sein Faible für Goykovich rühren aus einer halbjährigen Arbeit bei der Adenauer-Stiftung in Belgrad. In dieser Stadt hat leitete Dusan Gojkovic ein Tanzorchester und eine Jazz-Bigband.

Beim Konzert in der Musikhochschule präsentiert Hensel neben Stücken seines Favoriten und des Polen Tomasz Stanko eigene Kompositionen, die belegen, dass er einen eigenen Stil sucht und ihm bereits nahe gekommen ist. Dies zeigt vor allem eine Adaption des Stanko-Werkes „Der Spitzel“ mit dramatischen Effekten im Akkordspiel des Pianisten, mit einem Crescendo des Kollektivs und dem getragenen Finale. 

Hensel räumt dem brillanten Pianisten Manuel Seng viel Raum für Soli ein, die dieser mit schnellen Läufen und Akkordschichtungen füllt oder das Spiel der Partner mit akzentuierten Einwürfen abrundet. Mit Miriam Ast hat er eine virtuose Vokalistin in einem Ensemble, das vor zwei Monaten eigens für dieses Projekt gebildet wurde. Schlagzeuger Max Jentzen besticht durch differenziertes und sensibles Spiel, das auch in seinem Solo leise und unaufdringlich bleibt, während Weinig in den meisten Stücken den Kontrabass straight marschieren lässt.

 Hannes Endres kommuniziert sicher in den Duos und fasziniert als expressiver sowie emotionaler Solist. Seine Stakkato-Läufe reißen mit. Hensel selbst beweist in seinen zahlreichen Soli prägnante Technik, bläst sein Instrument hin und wieder mehrstimmig oder mit spitzer Überblastechnik. So scheint er manche Eigenkomposition trotz der Freiräume für seine Partner auf sich zugeschnitten zu haben. Doch in jenen beiden Stücken, in denen sie mit von der Partie ist, bestimmt die sicher phrasierende und in time scattende junge Sängerin den Sound.

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