Elegant über Genre-Grenzen hinweg – Arne Jansen

Die heutige Musikergeneration überschreitet Genre-Grenzen von einst, als noch strengstens zwischen Jazzern (Bärte) und Rockern (lange Haare) unterschieden wurde, mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit. Dazuhin verschließt man sich nicht den klangdiffernzierten Einflüssen der Neuen Musik. Dies praktizierte nun das Trio des Gitarristen Arne Jansen bei einem „JazzTime“-Konzert des Clubs Alpha 60 und des städtischen Kulturbüros im „Alten Schlachthaus“ von Schwäbisch Hall.

Alle drei Instrumentalisten haben knapp die 30 überschritten; Gitarrist Arne Jansen stammt aus Kiel, Kontrabassistin Eva Kruse wurde in Hamburg geboren, Schlagzeuger Eric Schaefer kommt aus Frankfurt am Main – und in Berlin fanden sie sich als stimmiges und interaktionsfreudiges Trio zusammen. Zufall mag sein, dass sie auch bei der nationalen Newcomer-Elite-Big-Band „BuJazzO“ von Peter Herbolzheimer mitwirkten. 

Gerne praktiziert Arne Jansen, der auch bei John Abercrombie, Philip Catherine, Peter Weniger und David Friedman gelernt hat, in seiner Eigenkompositionen erzählende Programmmusik, wobei er allerdings allzu illustrative Effekte vermeidet. Da geht es beispielsweise auf eine verquere Schafsjagd („Sheep Chase“), die gar etwas an den alten „Tiger Rag“ erinnert. Oder man erlebt ein „Nachtgewitter“ – und assoziiert hier Beethovens Pastorale, wenn nach stürmischen Gitarrenaktionen der Kontrabass solistisch (auf der phrygischen Skala) zur Ruhe kommt.

Variabel und variantenreich, freilich ohne mit Virtuosität zu strotzen, handhabt Arne Jansen seine mit allerlei elektronischem Gerät gekoppelte Gitarre, stilistisch von Charlie Christian bis zu Jimi Hendrix wandelnd. 

Eric Schaefer hat bei dem berühmten Stockhausen-Interpreten Christoph Caskel die Kniffe und das Knowhow des zeitgenössischen Schlagzeugsspiels studiert, tummelt sich aber jetzt vornehmlich in den Gefilden des swingenden Jazz und des swinglosen Rocks. Sein spartanisch bestücktes Drumset hat er um ein (gongähnliches) TamTam und ein paar Klingelglöckchen ergänzt, vermag dezente Sounds zu kreieren, aber auch, wenn es der musikalische Ablauf gebietet, ordentlich draufzudreschen.

(Januar 2009)

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