Das Trio „Johnny La Marama“ bei „UpArt“ Mainz, 19. April 2009

Wie man diese Musik nennt ist eigentliche völlig egal. Stilistisch ist sie jedenfalls nicht einzuordnen. Und das ist gut so. Da haben drei Musiker aus unterschiedlichen Kulturkreisen ihre Vorlieben zusammengetragen und unbekümmert durcheinandergewirbelt. Rap und Raggae, Folk und eine Spur Klassik auf dem Kontrabass, Punk und Funk, Noise und No-Jazz, Pop und Hip-Hop, Rock und Urban-Blues. „avant garage jazz“ nennt das Trio „Johnny La Marama“ selbst seine Kreation. Frech zitieren der finnische Gitarrist Kalle Kalima, der amerikanische Bassist Chris Dahlgren und der deutsche Schlagzeuger Eric Schaefer wie in „Billy Pilgrim“ aus Jazz-Standards und Songs. „Ab jetzt ist alles Blues“, resümieren sie gegen Ende des Konzerts ironisch. 

Westernhelden wie der fiktive „Johnny La Marama“ sind die drei in Berlin lebenden Musiker nicht – auch wenn ein Plakat dies einflüstern möchte. Rebellen oder Revolutionäre im weit gefassten zeitgenössischen Jazz dagegen zweifelsfrei. Beim Konzert der Mainzer Initiative „UpArt“ stellten sie Stücke ihrer neuen CD „Bicycle Revolution“ vor. „Free“ nennen sie zwei Kompositionen, ohne jedoch den Free-Jazz zu bemühen. Sie tauchen vielmehr in harmonisch und melodisch ungebundene Soundexperimente sowie frei pulsierende Rhythmen ein. Mit „Andy Summers“ beginnt das Konzert mitreißend groovend. In „Bicycle Revolution“ ist wie in vielen anderen Stücke Kalle Kalima mit der die Gitarre mit hellen Akkordfolgen, Glissandoläufen und Hardrockeinschüben tonangebend, während der E-Bass pfeift und grollt, das Schlagzeug sich in einem Drumgewitter entlädt und das Trio in einem Noise-Crescendo endet. Kalle Kalima lässt die Saiten unter dem Induktionsabnehmer kratzen oder einem kleinen Küchenquirl kreischen, Chris Dahlgren den Bass wummern und knarzen oder streicht mit dem Bogen schräge Harmonien sowie vereinzelt mit Romantizismen, während Eric Schaefer immer wieder neben durchlaufenden Beats mit dem Synthesizer Geräusche und Sprachfetzen zuspielt. Soundcollagen verbinden sich mit Rap- und Sprechgesängen. Selbst zarte und leise Songs wie „Columbine and Mingus“ werden durch harmonisch und rhythmisch freie Breaks aufgebrochen. Allein „Krysztal Palace“ ist es vergönnt, bis zum Schluss suchend und tastend in schwebenden Klängen zu verharren. 

Hin und wieder scheint die innere Logik und Geschlossenheit der Musik unter den zahlreichen originellen, aber sich verdrängenden Gags zu leiden. Die drei Musiker verwenden vielfach ostinate rhythmische und melodische Kürzel als dramaturgische Gestaltungsmittel. Dies birgt dann aber die Gefahr von Längen wie in „Lawrence“ einem schwächeren Stück in diesem spannungsreichen und aufregenden Konzert, das von eruptiver, ja aggressiver, Kraft lebt und in dem anarchistische Spielfreude und Dada-Humor Musik und Texte beflügeln.

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