Das Trio FisFüz konzertierte in Halls Hospitalkirche


Alle Photos auf dieser Seite: Hans Kumpf

Eine musikalische Weltreise im zum Konzertsaal gewordenen Gotteshaus: Das deutsch-türkische Trio FisFüz überzeugte erneut in der Hospitalkirche. Als gemeinsame Veranstalter fungierten der Konzertkreis Triangel und das städtische Kulturbüro.

Schwäbisch Hall. Ob man das, was das Ensemble FisFüz so hochprofessionell praktiziert, unbedingt als „Oriental Chamber Jazz“ bezeichnet werden kann, sei dahingestellt. Jazz ist da swingendes Beiwerk, aber nicht die Hauptsache. Und das Improvisieren spielt da auch keine dominante Rolle. Die Stücke geben sich konzeptionell ausgeklügelt und in sich stimmend.

Annette Maye, 1974 in Flensburg geboren, genoss in Köln die profilierten Jazzer Claudio Puntin und Frank Gratkowski als Klarinetten-Lehrmeister und entwickelte inzwischen auf der konventionellen B-Klarinette und der Bassklarinette ihre eigene Tonsprache: Kammermusikalisch sowie klassisch kultiviert und konziliant. Auch bei anglissandierten Tönen herrscht in ihrem rasanten Spiel gepflegte europäische Ästhetik vor. Die orientalischen (Doppelrohrblatt-)Blasinstrumente Zummara, Shanai, Zourna oder Zokra mit den mikrotonalen Schattierungen und einem beißenden Sound zu imitieren, dies scheint für Annette Maye weniger wichtig zu sein. Streng wissenschaftlich hat sie sich nicht nur mit dem Einfluss des innovatorischen afro-amerikanischen Bassklarinettisten Eric Dolphy (1928-1964) auf den Italiener Gianluigi Trovesi (mit dem sie in jüngster Zeit kooperiert) auseinandergesetzt, sondern auch mit der osteuropäischen Geschichte.

Entsprechend universell gebildet sind auch ihre beiden türkischen Mitstreiter, nämlich der Saitenvirtuose Gürkan Balkan und der Perkussionist Murat Coşkun. Doch das Akademische verdirbt auch bei ihnen nicht die natürliche Spielfreude. Selbst bei in der Türkei angesiedelten Stücken greift Balkan zur westlichen Korpusgitarre und kann mal auf die elfsaitige „Ud“, die moderne türkische Variante der alt-arabischen „Oud“ (von der schließlich – auch namentlich – unsere abendländische Laute abstammt!) verzichten. Toleranz und Weltaufgeschlossenheit bestimmen seit jeher das Musizieren im Ensemble FisFüz.

Der Schlagwerker Murat Coşkun hat sich auf Rahmentrommeln spezialisiert und vermag diesen archaischen Instrumenten nicht nur vielfältige Rhythmen, sondern auch mannigfaltige Klangfarben zu entlocken.

Der musikalische Reigen der reizvollen Eigenkompositionen reichte rein geografisch von Kairo („Dusty City“) über Istanbul („Balklarin Dansi“) bis nach Buenos Aires. Da huldigte Annette Maye im „Tango To Go“ offensichtlich dem Klezmer-Klarinetten-Guru Giora Feidman, der ja in Argentinien geboren wurde, nun in Israel beheimatet ist – und wiederholt auch in Hall gastierte. Allenthalben Skalenbezogenheit im moderat-modalen Metier ganz ohne starre Funktionsharmonik.

Nach seiner Premiere 2009 beim Jazz-Art-Festival und Ende 2010 zur musikalischen Umrahmung einer Feier für Imame, die die deutsche Sprache erlernt hatten, trat das Trio FisFüz nun zum dritten Mal in der Hospitalkirche auf. In der so veranstaltungsintensiven Frühherbstzeit fanden sich dort nur etwa hundert Besucher ein, was der Begeisterung und der Zugabenforderungen keinen Abbruch tat.

An der profunden Öffentlichkeitsarbeit kann es nicht gelegen haben. Zu wünschen ist Werner Feucht und Kurt Hohenstein, die sich als Kulturkreis Triangel gemeinnützig vereint haben, dass die weiteren Spezial-Abende zum 20-jährigen Bestehen dieser überaus wichtigen Institution größeren Publikumszuspruch erhalten werden.

Apropos Orient-Jazz. Ich erinnere mich noch bestens an die Langspielplatte „The Jazz Soul of Cleopatra“, die ich mir als Teenager in den 1960er Jahren zulegte. Da war außer dem Kontrabassisten Ahmed Abdul-Malik auf der Oud beispielsweise noch der „black muslim“ Yusef Lateef auf der Flöte mit einem vitalen arabisiertem Jazz zu hören. Dr. Lateef alias William Emanuel Huddleston, Jahrgang 1920, wird übrigens am 10. November in Ludwigshafen beim Enjoy-Festival konzertieren.