Das Trio des Gitarristen Dietmar Osterburg gastierte in Halls Hospitalkirche

Photo: Kumpf
Text und Photos: Hans Kumpf 

Von ruhigem Swing bis zu beherztem Rock

Stilistisch nicht streng eingeengt musizierte das Braunschweiger Dietmar-Osterburg-Trio in der Hospitalkirche. Vom gutsituierten Swing-Stil bis zum fetzigen Rock-Jazz reichte die Ausdrucksskala.

Schwäbisch Hall. Eigentlich hätte Johanna Borchert Ende Januar in der von Kulturbüro und Jazzclub vereint veranstalteten Reihe „Jazztime“ auftreten sollen. Die singende Pianistin wird jetzt jedoch am 27. März zum Jazz-Art-Festival kommen. Der dadurch frei gewordene Termin für das erste Jazzkonzert im neuen Jahr wurde relativ kurzfristig von dem Dietmar-Osterburg-Trio belegt.

Im Jazz besteht das „typische“ Trio eigentlich aus Klavier-Kontrabass-Schlagzeug. Bei dem Dreier-Bündnis von Dietmar Osterburg, der hauptberuflich seine Brötchen als Dozent an der Musikschule Braunschweig verdient, führt aber die Gitarre. So verhielt es sich auch in der Hospitalkirche, als im September 2014 das junge „Melt Trio“ konzertierte. Da kommt die niedersächsische Band, bei der André Neygenfind als überaus melodisch korrespondierender Bassist und Eddie Filipp als subtiler Schlagzeuger mitwirken, weitaus stimmungsfreundlicher daher.

Die aufgebauschten PR-Texte mit ihren Worthülsen mag man bei diesem Ensemble getrost vergessen. Ein Weltwunder der musikalischen Art erschaffen Osterburg & Co. beileibe nicht, sie praktizieren jedoch eine solide Musik mit dem Prädikat „zeitlos“. „Gleichberechtigung der Instrumente“ hieß es bereits in den 1960er Jahren bei dem Pianisten Wolfgang Dauner, als dieser auf Einladung des Haller Clubs Alpha 60 zusammen mit Eberhard Weber und Fred Braceful in den Ackeranlagen aufspielte.

André Neygenfind verweigert am korpulenten Kontrabass die traditionelle Rolle als Time-Keeper und Harmonien-Fundamentalist. Vielmehr betreibt er meist interaktiv einen melodiös-rhythmischen Widerpart zur doch dominierenden Gitarre. Osterburg, der klanglich vielfach an den jüngst verstorbenen Jim Hall erinnert, bedient gleich drei verschiedene elektrifizierte Sechssaiter – vom halbakustischen Instrument bis zum (schwarzen) Brett. Er hat die Technik in der Hand – auf Pedale verzichtet er.

Genauso verschmäht Dietmar Osterburg die Wiedergabe populärer Standards und präsentiert durchweg Eigenkompositionen. Diese sind gerne im gemütlichen Tempo gehalten und balladenhaft ausbalanciert. Symptomatisch dafür war der Opener des Abends, nämlich „Preferences“. Demgegenüber ein schnelleres Stück in aufgeregter Bebop-Manier. „What else?“ lässt es knackig rocken, Gitarrist Osterburg vermeidet – im Gegensatz zu Jimi Hendrix einst – aufkreischende Rückkopplungen und verbleibt beim (einstimmigen) „horn line“-Spiel. Adäquat fetzig agiert André Neygenfind auf dem Kontrabass, und Eddie Filipp kann sein mit vielen Becken angereichertes Drumset ausnahmsweise als Schießbude einsetzen. Die hartgesottenen Jazzfreunde im postklerikalen Saale hatten sogar ihre Freude daran und reagierten mit Zurufen und begeistertem Applaus.

Im Kontrast dazu eine Hommage der vielseitigen Saitenkünstler an den spanischen Flamenco – mit viel Rubato und quasi Cello-Kantilenen vom gestrichenen Bass. Und immer wieder vor allem graziler Swing. So überwiegte doch das Ohrengefällige. Musikalische Wärme an einem kalten Winterabend.

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