Das Festival „UpBeat Hohenlohe“ startete in Halls Hospitalkirche

Photo: Kumpf
Text und Photos: Hans Kumpf 

Nach den Workshops das Konzert: Jugendlicher Jaz

Das Kölner Quartett „Botter“ coachte Haller Jazznachwuchs und trat dann in der Hospitalkirche auf. Ein vielfältiges Konzert zwischen Tradition und Fortschritt.

Schwäbisch Hall. Das in Köln angesiedelte Ensemble „Botter“ zählt (noch) nicht zu den besonders bekannten Institutionen der internationalen Jazzszene. So spielte das Quartett in der Hospitalkirche vor weniger als fünfzig Zuhörern. Sicherlich eine Enttäuschung für die ansonsten auf den klassischen „Hohenloher Kultursommer“ spezialisierte Kulturstiftung Hohenlohe, die in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jazzclub zur Eröffnung seines zweiten „UpBeat“-Festivals nach Hall eingeladen hatte (spätere Orte sind Öhringen und Künzelsau). Vibraphonist Dierk Peters führt als „primus inter pares“ den Viermannbetrieb an und sorgt zusammen mit dem Altsaxophonisten Julian Ritter oft für eine cool kultivierte und lyrisch abgeklärte Atmosphäre. Da kann man sich an das zauberhaft sauber-süßlich klingende Quintett von Michael Naura mit Wolfgang Schlüter (Vibraphon) und Peter Reinke (Saxophon) erinnert fühlen.

Doch  „Botter“ geht heutzutage progressiver und komplexer vor. Neben ausgetüftelten Harmonien bedient man sich in den Eigenkompositionen auch variabler Metren. So folgen beispielsweise in dem Stück „Herbst“ direkt aufeinander ein simpler Viervierteltakt, ein kurzer Zweivierteltakt und dann – nach der Devise „Take Five“ – ein verquerer Fünfvierteltakt. Subtile Sounds werden fabriziert, wenn Stefan Schönegg seinem fünfsaitigen Kontrabass mittels delikatem Bogenstrich hauchzarte Flageoletts entlockt oder Dominik Mahnig sein eigentlich konventionelles Schlagzeug mit nicht unbedingt der Norm entsprechenden Gegenständen traktiert – beispielsweise mit einer (beim Discounter Lidl erworbenen) Erdnussdose, mehr nur als ein „gesalzenes“ Rasselinstrument…

Dominik Mahnig - Photo: Kumpf

Der 1988 geborene Saxophonist Johannes Ludwig ließ schon als Kind beim Wettbewerb „Jugend jazzt“ aufhorchen, wurde dann in das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg und ins nationale „BuJazzO“ berufen, studierte in Nürnberg und in Köln – und fungiert nunmehr als Künstlerischer Leiter von „UpBeat Hohenlohe“. Da er aber am gleichen Abend auf dem musikalisch (und bald politisch) berühmten Schloss Elmau konzertierte, machte in Hall sein Vater Gernot die Ansage. Und Papa Ludwig tat und tut ja in Osterburken und darüber hinaus sehr viel für den Jazz und seine Pädagogik. Er habe gute Erfahrungen gemacht, wenn der Altersunterschied zwischen den Dozenten und den Jungjazzern nicht allzu groß sei, betont Gernot Ludwig.

Die agilen Leute von „Botter“ coachten zwei Tage lang Mitglieder der Jazzorchester vom Erasmus-Widmann-Gymnasium und vom Evangelischen Schulzentrum in Michelbach an der Bilz. Die Ergebnisse der beiden Workshops wurden vor dem eigentlichen Quartett-Auftritt präsentiert. Noch entwicklungsfähig zeigte sich das Quintett von der „bigband ewg“, und das Publikum geizte nicht mit motivierendem Applaus.

Photo: Kumpf

Stilistisch traditionell geriet die Stückeauswahl: Der 1930er-Jahre Schlager „On the Sunny Side of the Street“ und Joe Zawinuls „Mercy, Mercy, Mercy“. Die „Eva Schulze Band“ (sic!) aus „Miba“ interpretierte dagegen Kenny Dohams „Blue Bossa“ und Lee Morgans souligen „Sidwinder“. In das Tentett hatte sich der Profi Stefan Schönegg integriert und diente mit seinem Bass als zuverlässiger „Timekeeper“. Improvisatorisch stach erwartungsgemäß Elisa Flöß heraus. Eine Woche zuvor hatte die 18-jährige Posaunistin als Mitglied des Landesjugendjazzorchesters in Weikersheim mit den emeritierten Musik-Professoren Bernd Konrad und Jiggs Whigham geswingt.

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