Auf Bernd Konrad folgt Rainer Tempel


Text und Photos: Hans Kumpf

Stuttgart/Karlsruhe.- Nach über drei Jahrzehnten erfolgt ein Wechsel in der künstlerischen Leitung des Jugendjazzorchesters Baden-Württemberg. Ab 1. August übernimmt Rainer Tempel diesen Posten von dem emeritierten Professor Bernd Konrad, der der swingenden Talenteschmiede seit Anbeginn verbunden war.

Auch der am 26. Oktober 1971 in Tübingen geborene Pianist Tempel darf sich mit einem Professorentitel schmücken. Seit 2007 lehrt er an der Stuttgarter Musikhochschule, an der auch Konrad studierte und dozierte. Professor Dr. Hermann Wilske, Präsident des Landesmusikrats, welcher 1981 das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg ins Leben rief, erklärt: „Wenn wir Rainer Tempel als Nachfolger für Bernd Konrad herzlich willkommen heißen, dann verbindet sich damit zugleich der Wunsch, die Kontinuität und das hohe künstlerische Niveau fortzusetzen und auch auszubauen. Wir freuen uns, dass wir Herrn Tempel für diese Aufgabe gewinnen konnten und wünschen ihm für seine Arbeit alles erdenklich Gute. In diesem Zusammenhang hoffen wir sehr, dass die Pläne der Landesregierung, die Musikhochschulen zu Ungunsten des Jazz umzustrukturieren, der reichen Jazzkultur in unserem Land nicht zum Nachteil gereichen werden.“

In Sachen Big Band ist der studierte Jazzpianist Rainer Tempel weitgehend Autodidakt. Bereits 1993 spielte Tempel in der Uni Big Band Tübingen, die von Bobby Burgess, einst Posaunist bei Stan Kenton und Erwin Lehn, betreut wurde. Großorchestralen Jazz verantwortete Tempel schon an der Stuttgarter Musikschule, an der Musikhochschule Luzern und mit dem „Zurich Jazz Orchestra“. Gefragt ist er mittlerweile als Arrangeur, und seine choralhafte Komposition „An hellen Tagen“ geriet regelrecht zu einem Big-Band-Hit besonders in Süddeutschland.

Auch das Landesjugendjazzorchester hat dieses kultivierte Stück längst auf CD gebannt. Der 42-jährige Rainer Tempel will bewusst stilübergreifend arbeiten: „Wir werden zeitgenössische deutsche und internationale Musik auflegen und auswählen, was in den letzten zwanzig Jahren an Weltliteratur hinzugekommen ist. Gleichzeitig finde ich es spannend, sich mal mit dem ganz frühen Repertoire auseinanderzusetzen: Sachen, die inzwischen in Vergessenheit geraten sind, aus der Swing-Ära beispielsweise.“

Von Anfang an war das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg mit großen Talenten gesegnet, überdurchschnittlich viele Instrumentalisten aus dem Südweststaat wurden in die Nationalauswahl, in das „BuJazzO“, berufen. Bernd Konrad kann gar nicht alle einstigen Newcomer (die gar zu Professoren aufgestiegen sind) aufzählen: „Da gab es Steffen Schorn, der immer ein hervorragender Baritonsaxophonist gewesen ist. Oder Klaus „Charles“ Graf, der zur gleichen Zeit da war. Oder Gregor Hübner – auch ein Musiker, der Weltkarriere gemacht hat. Wir haben von Anbeginn mit Leuten arbeiten dürfen, die später in Deutschland eine absolute Spitzenposition einnehmen konnten.“

Eine Menge Auslandstourneen, vorwiegend nach Afrika und Südostasien, hinterließen seit 1986 unvergessliche Eindrücke, zumeist positive. Es fällt Professor Bernd Konrad da sichtlich schwer, die allerinteressanteste Konzertreise der baden-württembergischen Jungjazzer zu benennen. Der letzte große Trip führte 2009 nach und durch Ecuador.

Auch Landesmusikratschef Hermann Wilske ist angetan von der geleisteten Arbeit Konrads: „Wir blicken mit Stolz und Dankbarkeit auf all das zurück, was Prof. Bernd Konrad für das Orchester und damit für den Landesmusikrat und den Jazz in Baden-Württemberg geleistet hat. Man denke nur an die unzähligen CD-Produktionen, die Auslandstourneen und nicht zuletzt die begeisternden Konzerte. Wie kaum ein anderer hat sich Prof. Bernd Konrad um die Jazzkultur im Südwesten verdient gemacht.“

Nicht ohne Grund wurde Konrad bereits 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Auch ohne die Leitung des Jugendjazzorchesters verbleibt Bernd Konrad, Jahrgang 1947 (Wikipedia macht ihn ein Jahr jünger) im umtriebigen Unruhestand. Der Saxophonist und Klarinettist ist nach wie vor ein gefragter Musiker mit vielen Auftritten. Aber Konrad hat jetzt mehr Muße, in seinem geliebten Konstanz eine neue künstlerische Seite auszuleben, nämlich die Schriftstellerei. Aber auch hier spielt inhaltlich die Musik die erste Geige – und eine solche hat der Vollblutjazzer als Kind ganz klassisch auch erlernt.

|  www.landesjugendorchester.de

www.rainertempel.de

www.bernd-konrad.net

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