Andreas Hertels Groove Jazz Fanatics in Rüsselsheim, 16. Oktober 2011

Fotos und Text: Klaus Mümpfer

Der Pianist Andreas Hertel zeigte schon immer eine Vorliebe für Klangfarbenspiele. Das war vor vielen Jahren bei der Formation „Composers Voice“ so und später bei seinem Quintett mit Hubmann, Weber, Werther und Pape. Auch in seinem neuen Trio mit dem Bassisten Joey Becker und dem Schlagzeuger Johann Tiefentahler spielt er mit Sounds, versieht er sein E-Piano mit einem Touch Orgelklang. Dass er viele Stücke mit einer perlenden Notentraube beendet, unterstreicht die entspannte Spielweise, die er dank der Begleitung mit einem ebenso melodischen wie erdigen sechssaitigen E-Bass und einem mal flexibel transparenten, mal hart geschlagenen Drumset gehörig grooven lässt. Beim Konzert im Rüsselsheimer Kulturzentrum „Rind“ stellte Andreas Hertels „Groove Jazz Fanatics“ ein Programm aus Standards und Eigenkompositionen des Pianisten vor. Dabei bleibt er der Jazz-Tradition verbunden, hat aber einen eigenständigen Stil gefunden. 

Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, leitet der Bassist das Konzert mit einer groovenden Intro zu Eddie Harris´ “Cold Duck Time“ ein. Die Komposition wurde zwar in der zwölftaktigen Form geschrieben, nutzt aber nicht die Blues-Akkord Progression. In der Trio-Interpretation mit dem biegsamen Schlagzeugspiel klingt sie flüssig wie der gleichnamige amerikanische Sekt. „Red Baron“ von Billy Cobhams Debut CD „Spectrum“ aus dem Jahr 1962 leitet Hertel mit einem verspielt perlenden Piano ein, Tiefentahler schiebt überraschend zwei kurze Marschrhythmus-Breaks ein, bevor das Trio das Thema swingend und relaxed weiterführt.

Im Programm wechseln die Groove Fanatics dramaturgisch geschickt von langsamen und lyrischen Kompositionen wie das Hertel-Stück „Cool“, zu kraftvollem Up-Tempo-Spiel etwa in „Sister Wilson“ des Cannonball Adderley-Drummers James Black. Hertel treibt mit Hochgeschwindigkeitsläufen und Boogie-Assoziationen auf dem Piano das Trio an, bevor er das melodische und harmonisch reizvolle Bass-Solo von Becker mit Akkordeinwürfen abrundet, während Tiefentahler sich aus einem leichten und transparenten Solo ins Powerplay steigert. 
Andreas Hertel erzählt stolz, dass er neuerdings auch Autor eines Notenbuches für Schulen mit dem Titel „Let´s play Jazz“ sei. Da konnte es nicht ausbleiben, dass der Komponist auch Stücke aus diesem Werk für das Trio umschrieb und in diesem Konzert der „Jazzfabrik“-Reihe uraufführte.

So genossen die zahlreichen Zuhörer im „Rind“ eine swingende Bossa Nova-Nummer mit einem dezent stützenden Bass und das bezeichnende „Rhythm of my soul“, bei dem Hertel kraftvoll die Akkordblöcke ins Instrument hämmerte. “Time Gentlemen, please“ belegt beispielhaft, wie in sicheren Interaktionen ein Trio-Spiel aus einem Guss funktionieren kann.

„Mo´betterBlues“ von Branford Marsalis in der Zugabe rundete Hertel auf erfrischende und zugleich lyrische Weise mit eigenen Ideen ab.